Schifffahrt
Rätselraten um „Arctic Sea“ geht weiter

Es wird immer mysteriöser: Ein riesiger Hochseefrachter verschwindet, und niemand weiß, wo er steckt. Mal heißt es, man habe ihn gefunden, was dann wieder dementiert wird. Offenbar gibt es nun sogar eine Lösegeldforderung. Rätselhaft klingen vor allem die jüngsten Aussagen von russischer Seite.

HB MOSKAU. Seit zweieinhalb Wochen gilt der unter maltesischer Flagge fahrende finnische Frachter "Arctic Sea" als verschwunden und mit ihm 15 russische Seeleute an Bord. Den letzten offiziellen Funkkontakt hatte die britische Küstenwache am 28. Juli in der Straße von Dover. Nun haben nach Angaben der finnischen Polizei Unbekannte ein Lösegeld für den Frachter gefordert. Ein Polizeisprecher sagte am Samstag in Helsinki, der von den Schiffsbesitzern verlangte Betrag sei „beträchtlich, aber nicht gewaltig“. Die genaue Summe wollte er ebenso wenig preisgeben wie Details darüber, auf welchem Wege die Forderung gestellt wurde.

Laut der russischen Nachrichtenagentur Itar-Tass ermitteln die Polizeibehörden in Finnland, Schweden und Malta in Zusammenarbeit mit Kollegen in mehr als 20 Ländern, Interpol und Europol, um das Rätsel des Verbleibs des in Malta registrierten Schiffs aufzuklären. Die Agentur zitierte weiter eine offizielle Erklärung der maltesischen Schifffahrtbehörde, wonach es unmöglich sei, die Öffentlichkeit zur Zeit zu informieren.

Russland: Suche in vollem Gang

Die Suche nach Frachtschiff sei in vollem Gang und entwickele sich erfolgreich, sagte derweil der russische Nato- Botschafter Dmitri Rogosin im russischen Fernsehen. Wie die russische Nachrichtenagentur Itar-Tass weiter in der Nacht zum Sonntag berichtete, betonte Rogosin, allein Russland habe vollständige Informationen, um eine geeignete, wohl überlegte Entscheidung zu treffen. Alle andere Versionen im Internet und der Presse seien mehr mit Spekulationen verbunden. Einzelheiten nannte Rogosin nicht.

Unklar bleibt bislang, wo sich das Schiff gerade befindet. Angeblich soll es erstmals wieder ein kurzes Positionssignal gesendet haben. Agenturen in Moskau melden, dass die "Arctic Sea" am Samstag gegen 10.30 Uhr mitteleuropäischer Zeit vor der westfranzösischen Hafenstadt La Rochelle geortet worden sei. Es fahre mit einer Geschwindigkeit von umgerechnet etwa 19 Stundenkilometern. Die Meldungen berufen sich auf den russischen Informationsdienst "Sowfracht Maritime Bulletin". Eine offizielle Bestätigung für die Position des Schiffes im Golf von Biskaya gab es zunächst nicht. Das Signal sei nach kurzer Zeit erloschen, hieß es in Moskau.

Erst Bestätigung, dann Dementi

Schon am Freitag war eine Sichtung des Schiffes gemeldet worden. Die Regierung der Kapverdischen Inseln hatte mitgeteilt, dass die "Arctic Sea" rund 400 Seemeilen (720 Kilometer) nördlich vor der westafrikanischen Küste gesichtet worden sei. Das dementierte aber der russische Botschafter in Kap Verde, Alexander Karpuschin, später. Die Meldung habe sich nicht bestätigt; man habe nur ein ähnliches Schiff gesehen.

Zuvor hatte der russische Nato-Botschafter Dmitri Rogosin mit verschiedenen Äußerungen das Rätselraten angetrieben. Die Situation um das Schiff bezeichnete er als "dramatisch". Aus taktischen Gründen dürften aber keine Details mitgeteilt werden, sagte er. Ein ranghoher Militärsprecher hatte sich in Brüssel fast wortgleich geäußert. Der russischen Agentur Itar-Tass sagte, dass man wisse, wo sich die "Artic Sea" befinde: "Das Schiff ist nicht gesunken. Seine Position ist bekannt, wird aber aus taktischen Gründen nicht bekanntgegeben."

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