Schiffskatastrophe vor Ägypten
Hinterbliebene zünden Büro an

Hunderte Opferangehörige haben drei Tage nach der Schiffskatastrophe vor Ägypten die Büros des Schiffseigners El Salam Maritime in der Hafenstadt Safaga gestürmt. Sie warfen am Montag Mobiliar auf die Straße und verbrannten das Firmenschild.

HB SAFAGA. Auch ein großes Foto mit einer der Fähren des Unternehmens wurde auf der Straße in Brand gesteckt.Sondereinsatzkräfte der Polizei setzten Tränengas ein, um die Menge zu vertreiben. In der 60 Kilometer nördlich gelegenen Hafenstadt Hurghada versuchten wütende Hinterbliebene, ein Krankenhaus zu stürmen.

Die Zahl der Überlebenden der Katastrophe erhöhte sich nach Angaben aus Sicherheitskreisen auf 422, nachdem bekannt wurde, dass auch andere Schiffe Passagiere der „Al-Salam Boccaccio 98“ gerettet hatten, die in der Nacht zum Freitag auf dem Weg vom saudiarabischen Dhiba nach Safaga gekentert war. Bislang seien 245 Leichen geborgen, von denen inzwischen 57 identifiziert wurden, hieß es. Insgesamt hatten sich 1414 Menschen an Bord der Fähre befunden. Unterdessen wurden immer mehr menschliche Tragödien bekannt, die sich an Bord der Fähre und nach dem Kentern in den Fluten des Roten Meeres abgespielt hatten. Ein sechsjähriger ägyptischer Junge, der 36 Stunden auf einer Rettungsinsel ausgeharrt hatte, schilderte, dass er hilflos mit ansehen musste, wie seine Eltern ertranken. Ein weiterer Überlebender der Katastrophe berichtete Medien in Saudi-Arabien von einem Mann, der seine Frau und seine Tochter, weil diese offensichtlich nicht schwimmen konnten, mit Seilen an seinem Körper festgebunden hatte. Alle ertranken. Die ägyptische Führung versprach unterdessen eine „lückenlose Aufklärung“ der Umstände, die zum Tod der Passagiere geführt hatten.

„Wir haben zwölf Stunden im Auto gesessen und dann drei Tage hier gewartet, jetzt wollen wir, dass uns endlich ein Regierungsbeamter sagt, ob sie tot oder lebendig sind“, rief ein Mann in der aufgebrachten Menge in Safaga. Auch vor dem Krankenhaus im nahe gelegenen Urlaubsort Hurghada kam es zu Zusammenstößen mit der Polizei. Derweil wurde bekannt, dass ein Kapitän aus Bangladesch und seine Besatzung 37 Passagiere der Unglücksfähre aus den Fluten gerettet hatten. Wie die Kairoer Tageszeitung „Al-Gumhurija“ am Montag berichtete, nahmen die Seeleute, die mit ihrem Schiff vom saudiarabischen Dschidda zum jordanischen Hafen von Akaba unterwegs waren, die Schiffbrüchigen in der Nacht zum Samstag an Bord, rund 20 Stunden nach Kentern der Fähre. Sie hatten so lange auf einer aufblasbaren Rettungsinsel ausgeharrt. Kein Informationen gibt es bislang zum Schicksal des Kapitäns der gesunkenen Fähre.

Augenzeugen hatten berichtet, er habe sich geweigert, nach Dhiba zurückzukehren, nachdem das Feuer an Bord ausgebrochen war. Auch soll er sich als einer der ersten auf einem Rettungsboot in Sicherheit gebracht haben. Die ägyptische Justiz will nun auch untersuchen, warum der ägyptische Kapitän Salah Gomaa, dessen Schiff den ersten Notruf der Fähre empfangen hatte, nicht geholfen hatte. Als ihn in Safaga aufgebrachte Angehörige der Vermissten beschimpften, rief er: „Ich hatte schließlich 1 800 Passagiere an Bord.“

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