Schiffsunglück
Fünf weitere Leichen in der „Costa Concordia“ entdeckt

Die Suche nach Opfern im Wrack der Concordia geht nach dem Fund von fünf weiteren Toten weiter. Kapitän Schettino wird derweil durch ein Telefongespräch belastet, in dem er aufgefordert wird, an Bord zurückzukehren
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Rom/London/Boston/BerlinIm Wrack der havarierten „Costa Concordia“ sind fünf weitere Leichen gefunden worden. Das berichteten italienische Medien am Dienstag. Damit steigt die Zahl der Opfer durch das Unglück auf elf. Medienberichten zufolge wurde nach der Havarie der „Costa Concordia“ am Dienstag das erste deutsche Todesopfer identifiziert. Dabei soll es sich um einen Mann handeln, der am Montag als sechstes Opfer geborgen wurde, so berichtete tagesschau.de unter Berufung auf den italienischen Staatsrundfunk RAI.

Noch zuvor hatte sich nach dem Schiffsunglück vor der toskanischen Küste die Zahl der Vermissten von 16 auf 29 erhöht. Vermisst würden demnach 25 Passagiere und vier Besatzungsmitglieder sagte Marco Brusco von der Küstenwache im staatlichen italienischen Fernsehen.

Es gebe bislang kein Lebenszeichen von 25 Passagieren und vier Crewmitgliedern, sagte Brusco am Montagabend. Nach seinen Angaben sind zehn Deutsche und sechs Italiener unter den Vermissten. Weiter werden noch sechs Italiener, vier Franzosen, zwei US-Bürger sowie jeweils eine Person aus Ungarn, Indien und Peru vermisst. Bei dem geborgenen Toten handele es sich möglicherweise um einen der Vermissten, hieß es weiter.

Zuvor hatte die Polizei die Zahl der Vermissten mit mindestens 16 angegeben, darunter elf Deutsche. Später wurde diese Zahl auf zwölf erhöht. Die italienischen Behörden sprachen indes von 14 vermissten Deutschen. Sechs Menschen wurden bislang tot geborgen.

Aus Deutschland werden offenbar ein Paar aus Berlin, ein Paar aus Nordrhein-Westfalen sowie fünf Senioren aus Hessen. Außerdem sollen in dem Schiff eine 71-Jährige aus Esslingen und eine 66 Jahre alte Frau aus Achstetten (beides in Baden-Württemberg) gewesen sein, von denen es bisher kein Lebenszeichen gibt, wie die Polizei Biberach mitteilte.

An Bord des Schiffs waren nach Angaben der deutschen Niederlassung der Reederei des verunglückten italienischen Kreuzfahrtschiffs „Costa Concordia“ 566 deutsche Passagiere, die meisten von ihnen im Alter zwischen 50 und 70 Jahren.

Die „Costa Concordia“ war am Freitag mit etwa 4200 Menschen an Bord vor der Insel Giglio auf Felsen aufgelaufen und später auf die Seite gekippt.

Die italienische Reederei Costa Crociere sowie deren Geschäftsführer in Hamburg hatte sich vom Verhalten des Kapitäns deutlich distanziert. Mit einem eigenmächtigen und nicht genehmigten Manöver sei der Schiffsführer Francesco Schettino vom Kurs abgewichen. Das Kentern des Kreuzfahrtschiffes sei somit auf menschliches Versagen zurückzuführen, sagte der Vorstandsvorsitzende Pier Luigi Foschi am Montag.

Harsche Kritik am Verhalten des Kapitäns äußerte auch die Staatsanwaltschaft. Bei der letzten Überprüfung der Technik und der Sicherheit des Schiffs im vergangenen Jahr habe es keine Beanstandungen gegeben, sagte Foschi.

Die Routen der Schiffe des Unternehmens seien genau festgelegt, bei Abweichungen würden sofort Alarmsignale ertönen. Im Fall der „Costa Concordia“ sei diese Route korrekt programmiert gewesen. „Die Tatsache, dass sie von diesem Kurs abwich, ist einzig auf ein Manöver des Kapitäns zurückzuführen“, hieß es weiter. Die Kreuzfahrtgesellschaft habe von diesem nicht autorisierten Manöver keine Kenntnis gehabt.

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