Schiffsunglück
Sechstes Todesopfer auf der „Concordia“

Das Unglück des Kreuzfahrtschiffes „Costa Concordia“ hat mindestens sechs Menschen das Leben gekostet. Zudem gerät der Kapitän immer mehr unter Druck. Der riskante Kurs des Schiffes soll das Unglück verursacht haben.
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Giglio/Rom/BerlinSpezialkräfte der Feuerwehr haben an Bord des vor der italienischen Küste gekenterten Kreuzfahrtschiffes „Costa Concordia“ ein weiters Todesopfer entdeckt. Wie die Nachrichtenagentur Ansa am Montagmorgen berichtete, handelt es sich um einen Passagier. Der Tote habe sich auf dem zweiten Deck befunden und eine Schwimmweste getragen. Damit steigt die Zahl der Todesopfer auf sechs. Mindestens 14 Menschen werden noch vermisst. Das Schiff war am Freitagabend nahe der Insel Giglio vor der toskanischen Küste gegen einen Felsen gelaufen und leckgeschlagen.

Derweil verdichten sich Hinweise auf schwere Fehler des Kapitäns. Er steht im Zentrum der Ermittlungen der italienischen Behörden. Am Sonntag erhärteten sich die Vorwürfe gegen ihn, vorzeitig das sinkende Schiff verlassen zu haben, weiter. Die „Costa Concordia“ mit rund 4.200 Menschen an Bord - darunter hunderte Deutsche - war Freitagnacht vor der toskanischen Küste auf Felsen gestoßen und auf die Seite gekippt. Fünf Tote wurden bis Sonntag geborgen, 15 Menschen wurden noch vermisst.

Ein Vertreter der italienischen Küstenwache sagte, Kapitän Francesco Schettino sei bereits zu einem Zeitpunkt an Land gesehen worden, als die Evakuierungsaktion noch in vollem Gange gewesen sei. Die Küstenwache habe ihn aufgefordert, seiner Pflicht nachzukommen und zu dem sinkenden Schiff zurückzukehren, sagte Francesco Paolillo. Der Kapitän habe dies aber ignoriert.

In einem Interview hatte sich Schettino am Sonntag gegen Vorwürfe gewehrt, er habe das Schiff bereits verlassen, als sich noch Passagiere an Bord befunden hätten. „Wir waren die letzten, die das Schiff verlassen haben“, sagte er. Passagiere hatten dem bereits widersprochen.

Schettino erklärte, das Schiff sei auf Felsen aufgelaufen, die in seinen Seekarten nicht verzeichnet gewesen seien. „Wir navigierten etwa 300 Meter von den Felsen entfernt“, sagte der Kapitän der Sendergruppe Mediaset. „Ein solcher Felsen hätte dort gar nicht sein sollen.“ Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen ihn wegen fahrlässiger Tötung, Verursachung eines Schiffbruchs und wegen des Verlassens des Schiffs vor anderen.

Das Schiff sei viel zu nah an die Küste der Insel Giglio und damit in gefährliches Gebiet gelangt, berichtete auch die Kreuzfahrtgesellschaft European Cruiser Association (Eucras) mit Verweis auf Schiffsnavigationsdaten. „Dieser Kurs hätte nie gesteuert werden dürfen.“ „Wir haben die Navigationsdaten der Costa Concordia ausgewertet. Sie zeigen, dass das Schiff nicht geradeaus durch die Meeresenge an der Isola del Giglio vorbei steuert, sondern direkt auf die Insel zu“, sagte Eucras-Präsident Stefan Jäger.

„Wäre das Schiff gerade durch die Meeresenge gesteuert, wäre nichts passiert“, ergänzte der Experte. „Warum dieser Kurs eingeschlagen wurde, muss der Kapitän den Behörden erklären. Auch Staatsanwalt Francesco Verusio, hatte dei Route des Kapitäns kritisiert. Warum die Reederei solche Manöver zulässt, ist zu fragen. Immerhin berichteten Anwohner, dass Costa-Schiffe öfters so nah kämen.

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  • ... eine Seefahrt, die ist lustig ... und: "costa't net viel"! Kaninchenstallkabinen? - fällt das eigentlich nicht unter Artenschutz?
    Dann lieber doch ein anderes Schiff mit weniger Passagieren, einen gehobenen Stil und: entsprechendem Publikum dazu!

  • der bug des schiffes liegt richtung süden vor dem hafen giglio porto.wie kann das sein, wenn das schiff von civitavecchia nach norden ausgelaufen ist? hat es sich gedreht oder hat der Kapitän eine kurve gefahren?

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