Schlag gegen politische Korruption
Polizei-Razzia im Rathaus von Marbella

Das spanische Marbella gilt als Treffpunkt der Schönen und Reichen. Doch der Badeort hat in den letzten Jahren auch den zweifelhaften Ruf als Ort der Bestechung erworben. Die Polizei nahm am Mittwoch 19 Verdächtige fest - darunter auch die Bürgermeisterin des Feriendomizils an der Costa del Sol

HB MADRID. Ihnen wurden Unterschlagung, Bestechung und illegale Einflussnahme zur Last gelegt. Nach Angaben des staatlichen Rundfunks RNE war die Polizeiaktion der größte Schlag gegen die politische Korruption in der Geschichte Spaniens.

Marbella gilt schon seit Jahren als ein Hort der Bestechung. „Die Stadtregierung ist die verkommenste in ganzen Spanien“, sagte der Schriftsteller Jorge M. Reverte einmal. Mehr als ein Drittel der 80  000 Wohnungen in der südspanischen Stadt wurden ohne die gesetzlich vorgeschriebenen Genehmigungsverfahren errichtet. Häufig hatten die Verantwortlichen im Rathaus gegen Schmiergeld Baugenehmigungen ausgestellt. Gegen Bürgermeisterin Marisol Yagüe sowie gegen 20 der 32 Mitglieder des Stadtrats laufen Dutzende von Gerichtsverfahren. Die Regierung der Region Andalusien will der Stadt die Zuständigkeiten für Bauplanung und Raumordnung aberkennen.

Die Polizei ließ bei der - vom Sonderstaatsanwalt für Korruptionsbekämpfung - angeordneten Aktion das gesamte Rathaus räumen und durchsuchte die Amtsstuben. Die Bürgermeisterin wurde in ihrer Villa abgeführt. Mit verhülltem Haupt verließ sie die Residenz durch einen Hinterausgang. Die 54-Jährige mit den blond gefärbten Haaren war 2003 als „Strohfrau“ des langjährigen Bürgermeisters Jesús Gil ins Amt gekommen. Der Ex-Präsident des Fußballclubs Atlético Madrid durfte damals nicht selbst kandidieren, weil die Gerichte ihm die Bekleidung öffentlicher Ämter verboten hatten.

Der 2004 gestorbene Gil hatte Marbella zur größten Baustelle gemacht. Nirgends wurde - pro Einwohner - so viel Beton verbraucht wie in dem Ferienort. Pro Jahr entstanden 10 000 Wohnungen, viele davon illegal. Gegen Schmiergeld wurden sogar Sportplätze, Gärten und Parks zu Bauland erklärt. Kaum einer in Marbella zweifelt daran, dass Gil und seine Getreuen bei dem Bauboom kräftig absahnten.

Die Nachfolgerin Yagüe, eine ehemalige drittklassige Sängerin, ist bekannt für ihre Liebe zu protzigen Limousinen. Darauf angesprochen sagte sie kürzlich: „Ich habe schon immer gute Autos gefahren. Soll ich jetzt, nur weil ich Bürgermeisterin bin, mir einen Kleinwagen zulegen?“ Unter den 125 000 Einwohnern von Marbella macht sich seit Jahren Unmut darüber breit, dass die Stadt als Hochburg der Korruption und des Verbrechens in Verruf geraten ist. „Für diese Stadt muss man sich schämen“, sagt ein Nachbar der Bürgermeisterin. „Wir geben nicht mehr Marbella, sondern Dörfer der Umgebung als Herkunftsort an.“

Marbella ist nicht nur ein Treffpunkt von Ölscheichs und Showstars, sondern auch ein Eldorado der organisierten Kriminalität. Mafia-Banden aus aller Welt treiben in der Stadt ihr Unwesen. Innenminister José Antonio Alonso verglich die Bedrohung, die von Gangsterbanden an der Mittelmeerküste ausgeht, mit der Gefahr des islamischen Terrorismus. Vor einem Jahr zerschlug die Polizei in Marbella den vermutlich größten Geldwäscherring Europas.

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