Schlager
Karel-Gott-Museum soll „Graceland“ in den Schatten stellen

Pilgern Schnulzen-Fans bald Richtung Prag statt nach Memphis? Das hofft zumindest der Unternehmer Jan Motovsky, der im vergangenen Jahr eine Villa Karel Gotts nahe der tschechischen Hauptstadt gekauft hatte und dort jetzt ein Museum eröffnet. Der Name stand schnell fest: „Gottland“.

HB PRAG. Für seine Fans ist er wohl der bedeutendste deutschsprachige Künstler aus Prag seit dem Schriftsteller Franz Kafka: der Sänger Karel Gott. Seine Lieder wie „Biene Maja“, „Babicka“ und „Lady Carneval“ gelten beiderseits der Grenze als unsterbliche Evergreens, nun erhält „die Goldene Stimme“ selbst ein Museum: Am heutigen Freitag wird in Jevany bei Prag eine ehemalige Villa des 66-Jährigen als Gedenkstätte eröffnet. Als Vorbild schwebt den Organisatoren nichts Geringeres vor als das Presley-Anwesen „Graceland“ in Memphis (US-Staat Tennessee). Der Name des Museums für den „Elvis von der Moldau“ ist daher nur folgerichtig: „Gottland“.

Der Tscheche hatte 1967 mit „Weißt du wohin?“ aus „Dr. Schiwago“ den Durchbruch geschafft. Zwei Jahre später kaufte er im böhmischen Dorf Jevany eine tannengesäumte Villa aus den 30er Jahren. „Ich war oft dort, das Gebäude hat seinen eigenen „genius loci““, sagt der Sänger heute. Nachdem er aber immer öfter in seinem Haus in Prag blieb, verkaufte er die Immobilie im vergangenen Jahr für angeblich 500 000 Euro an den Unternehmer Jan Motovsky. „Plötzlich fragte der: „Wollen wir nicht ein Museum daraus machen?““, erzählt Karel Gott. „Da war ich erst einmal platt.“

Wie Elvis schrieb auch Gott ein Stück für seine Mutter

Presley hatte „Graceland“ 1957 für 103 000 Dollar (heute 82 000 Euro) gekauft. Etwa 600 000 Menschen besichtigen jährlich das Anwesen des „King of Rock „n' Roll“. Das 200 Quadratmeter große „Gottland“ mit acht Wohnzimmern, fünf Toiletten, vier Waschräumen, Sauna und Pool kann alle 15 Minuten von einer zehnköpfigen Touristengruppe für je 150 Kronen (fünf Euro) besucht werden. Dabei will das Museum auch Reisende aus Deutschland anlocken.

„Ich wollte erst eine Pension einrichten, habe dann aber überlegt, wer in Tschechien so berühmt ist wie er“, meint Motovsky. Durch das Museum wolle er sich aber nicht selbst vergöttern, ergänzt der Sänger: „Das würde mir nicht im Traum einfallen.“ Er leihe dem Projekt nur seinen Namen und einige Trophäen. Prunkstück soll eine Aufnahme von 1957 sein, die der damals 18-Jährige in einem öffentlichen Prager Tonstudio gemacht hat. „Die Platte habe ich für meine Mutter wie ein Tramp mit Gitarre aufgenommen“, erinnert er sich. Ein Lied für Mama - so hatte auch Elvis 1953 angefangen.

Ältere Damen wissen, wo sich der Sänger aufhält

„Gottland“ funktioniere auf drei Ebenen, meint Architekt Jaromir Pizinger: „Im ersten Teil sind die Räume so, als hätte der Künstler sie gestern verlassen. Im zweiten Teil stellen wir Leben und Werk dar, der dritte Teil besteht aus Imbiss und Verkaufsstelle.“ „Das Museum ist zu einem bestimmten Teil Ironie, der Rest aber seriös“, unterstreicht Karel Gott. Natürlich sei der Name der Presley- Gedenkstätte entliehen: „Nur liegt Elvis in „Graceland“ auch begraben. Ich hoffe, diese Parallele tritt nicht so bald ein.“

Gelegentlich will der Sänger im Museum vorbeischauen, ansonsten ist er meist in Prag. Auch hier gebe es mittlerweile eine Karel- Pilgerstätte, sagt Martina Podlipna vom „Hotel Mövenpick“: „Wir haben ein Appartement mit direktem Blick auf das Haus von Herrn Gott.“ Das Hotel werbe zwar nicht damit. „Die Fans wissen aber durch Mund-zu- Mund-Propaganda, um welches Appartement es sich handelt“, sagt Podlipna: „Meist sind es ältere Damen aus Deutschland.“

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