Schlechte Ernte
Die Tomaten-Krise: USA im Notstand

Das Wetter hat die Ernte vernichtet. Jetzt gibt’s sogar den Whopper ohne das rote Gemüse.

HB NEW YORK. Bob Spencer ist in diese Tage ein besonders glücklicher Mann. Der Tomatenhändler aus dem US-amerikanischen Palmetto kann sich vor Anfragen von Kunden kaum retten. „Ich erziele Preise, die einfach astronomisch sind“, sagt Spencer. Eine 12-Kilo-Box Tomaten aus Georgia verkauft er derzeit für 30 Dollar. Vor einem Jahr waren es gerade einmal acht Dollar.

Die Vereinigten Staaten haben einen Tomaten-Notstand. In den meisten Regionen ist das rote Gemüse Mangelware. Schuld daran: das verheerende Wetter der vergangenen Wochen und Monate. Die Hurrikane Charley und Francis setzten den Bauern stark zu, vor allem in Florida. Die meisten mussten ihre Pflanzen durch neue ersetzen, weil von den alten nicht viel übrig geblieben war. Dadurch fehlt nun die Ernte für die Monate November und Dezember, sagt Gary Lucier vom amerikanischen Landwirtschafts-Ministerium. Doch nicht nur in Florida ist die Lage prekär. Auch an der Westküste sind die Probleme groß. Starker Regen hat dort in der vergangenen Woche viele Felder unter Wasser gesetzt. Nun verzögert sich die Ernte.

Die Krise trifft viele Restaurant-Ketten völlig unerwartet. Sie versuchen jetzt, die Rezepte so anzupassen, dass sie ohne Tomaten auskommen – etwa Burger King mit seinem Whopper. Manche kippen sogar ihre Werbekampagnen, um alternative Produkte in den Vordergrund zu rücken. So wollte der Burger-Brater Wendy’s eigentlich in diesen Tagen sein Sandwich „Chicken Temptations“ groß rausbringen, stoppte das Vorhaben jedoch in letzter Sekunde. „Wir schalten jetzt doch keine TV-Spots, die das Sandwich mit der Tomate oben drauf zeigen.

Denn wir wissen einfach nicht, ob wir überhaupt an das Gemüse kommen“, sagte Sprecher Bob Bertini der amerikanischen Tageszeitung USA Today. Aus den 147 Souper Salad Restaurants sind Tomaten sogar ganz verschwunden – an der Salatbar klafft eine Lücke. Und selbst wer nur daheim speist, spürt die Knappheit an Tomaten. In manchen Läden kostet das Pfund mehr als drei Dollar. „Wir haben einen starken Preisanstieg beobachtet“, bestätigt Patti Councill von Great Atlantic & Pacific Tea. Die Gruppe betreibt 630 Supermärkte in den USA.

Bauern und Ökonomen sind optimistisch, dass die Krise bald überwunden ist. „Bis Mitte Dezember wird sich die Lage wieder normalisiert haben“, sagt Branchenkennerin Reggie Brown vom Florida Tomato Committee. Etwa 80 Prozent aller in den Vereinigten Staaten gegessenen Tomaten kommen aus Florida. Zumindest in den kalten Jahreszeiten.

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