Schönheitsoperation
Auf Glückssuche beim Schönheitschirurgen

Facelift, Fettabsaugung an Bauch und Hüfte und Haartransplantationen: Eine Schönheitsoperation ist längst nicht mehr nur Frauensache. Mittlerweile sind rund 20 Prozent derjenigen, die sich unters Skalpell gelegt haben, Männer. Vor allem bei Managern in Führungspositionen, Politikern und Anwälten wird eine Schönheits-OP immer beliebter.

DÜSSELDORF. „Schönheit ist Macht“, sagt die Feministin Nancy Friday. Aber Schönheit ist auch machbar. Wer zum Schönheitschirurgen geht, nimmt den Körper nicht mehr schicksalhaft hin.

„Interessant ist, dass die Klientel, welche eine Schönheitsoperation wünscht, sich zunehmend mehr aus beruflichen Gründen auf den OP-Tisch legt: Manager in Führungspositionen, Politiker, Anwälte, Lehrer, Ärzte“, sagt Werner Mang, ärztlicher Direktor der Mang Medical One Klinikgruppe und der Bodensee Klinik in Lindau. Die Gruppe führt jährlich über 25 000 ästhetische Operationen und Schönheitsbehandlungen durch.

Unter den jährlich rund eine Million Schönheitsoperierten in Deutschland sind 20 Prozent Männer. Tendenz steigend. Haartransplantationen, Schlupflider, Tränensäcke, Facelift, Fettabsaugung an Bauch und Hüfte. „Operierte Männer teilen mir mit“, sagt Mang, „dass sie beruflich erfolgreicher geworden sind.“ Große, schlanke Männer ohne Glatzen kommen angeblich auch bei Bewerbungsgesprächen besser an. „Ein guter ästhetisch-plastischer Chirurg muss nicht nur gut ausgebildet, sondern auch Künstler und Psychologe sein“, sagt Mang. „Wenn psychologische Probleme im Vordergrund liegen, gehört der Patient nicht auf den OP-Tisch, sondern auf die Psycho-Couch.“

Sind schöne Prominente die erstrebten Ideale? Ist die Suche nach „Glück“ der Antrieb zu einer Schönheitsoperation? Macht Schönheit stark und selbstbewusst? „Wir werden jetzt erstmals in einer großen Studie untersuchen, wie der Verlauf von Glück, Wohlbefinden und Zufriedenheit nach einer Schönheits-OP aussieht“, erklärt Jürgen Markgraf von der Abteilung Klinische Psychologie & Psychotherapie der Universität Basel. Gemeinsam mit Medical One wird jetzt untersucht, ob ein Chirurg auch ein Glücksbringer sein kann. Sämtliche Teilnehmer, die in einer Medical-One-Klinik operiert werden oder wurden, füllen vier Fragebögen aus: vor der Operation sowie drei, sechs und zwölf Monate danach. Ende 2008 werden die statistisch ausgewerteten Ergebnisse vorgestellt.

„Wir sehen in unseren kontinuierlichen Patientenbefragungen immer wieder, dass der Schönheitsbegriff sowohl unter chirurgisch-handwerklichen als auch emotional-psychologischen Aspekten gesehen werden muss“, sagt Oliver Wagner, Vorstand von Medical One. „Der deutsche Patient möchte möglichst dezente, altersgerechte Eingriffe. Es gibt bei uns nicht den starken Wunsch, ethnische Erkennungsmerkmale zu entfernen oder extreme Brustimplantatgrößen zu wählen.“ Die Studienteilnehmer möchten meist ein Merkmal loswerden, an dem sie oft schon lange leiden – Nasenhöcker, Brustfehlbildungen, Fettschürzen, Reithosen.

Lebenseinstellung, Wohlbefinden und Lebenszufriedenheit werden in der Studie wiederholt abgefragt, um die Entwicklungskurve verfolgen zu können. Markgraf vermutet, dass Schönheitsoperationen künftig deutlich anders gesehen werden, wenn klar wird, welche psychologischen Auswirkungen diese haben können: „Wir möchten wissenschaftlich analysieren, dass attraktiv zu sein letztendlich für viele Menschen auch bedeutet, glücklicher zu sein.“

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