Schonfrist läuft aus
Jäger: Polizei soll „Bruno“ erschießen

Bayerns Landesjagdpräsident Jürgen Vocke plädiert dafür, dass nach der Abreise der letzten finnischen Jäger am Montag bayerische Polizisten Jagd auf Bär „Bruno“ machen sollen.

HB MÜNCHEN. „Wenn der Bär auftaucht, ist das letztlich eine Gefahrensituation, da müsste die Polizei sowieso handeln“, sagte Vocke dem „Münchner Merkur“. Der Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei in Bayern, Harald Schneider, bestätigte, dass das Thema bei den Beamten heiß diskutiert wird. „Wir werden sicher keine Hundertschaften losschicken, die in Viererkette durch den Wald gehen und „Bruno“ suchen. Aber wenn er wieder in einen Ort kommt, muss er erschossen werden, auch wenn wir nicht begeistert sind“, sagte Schneider dem Blatt. In jeder Polizeidienststelle gebe es geeignete Gewehre mit Großwildmunition.

Die Jäger wehren sich dem Bericht zufolge vor allem aus Imagegründen, Bär „Bruno“ zu jagen. „In der öffentlichen Meinung wird er geradezu vermenschlicht“, sagte Vocke. „Da muss eine Bewusstseinsänderung stattfinden, die Bürger müssen die Gefährlichkeit des Tieres akzeptieren. Ich bete zu Gott, dass die Finnen ihn doch noch fangen.“

Bären-Experte warnt vor Abschuss

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Der italienische Wild-Experte Alberto Stoffella hält nichts davon, den streunenden Braunbären „Bruno“ abzuschießen. In einem Interview der „Netzeitung“ forderte Stoffella am Donnerstag eine bessere internationale Abstimmung zum Schutz der Tiere: „In Italien gab es Zwischenfälle mit „Bruno', aber diese wurden toleriert“. Erst in Deutschland sei der Bär zum Problem gemacht worden, sagte Stoffella.

Stoffella, der für die italienische staatliche Forstbehörde das Ansiedlungsprogramm von Braunbären in der Provinz Trentino betreut, fordert einen entspannten Umgang mit den Tieren: „Wenn man Bären in Mitteleuropa haben will, wird man auch mit ihnen in Kontakt kommen“, sagte Stofella. Davor müsse man keine Angst haben. „Bären haben ein Recht, hier zu leben, sie waren vor uns Menschen da“, sagte der Wild-Experte weiter.

„Bruno“ macht seinem Namen als wanderlustiger Bär weiter alle Ehre. Bis zum Freitagmorgen jedenfalls hatte er sich laut Polizei Oberbayern nicht in Deutschland blicken lassen. „Der ist bestimmt noch in Österreich“, hieß es. Der Bär war am Donnerstag im Tiroler Bezirk Kufstein aus einer Entfernung von etwa 30 Metern gesichtet worden. Die finnischen Bärenjäger sind dem Tier weiter auf den Fersen. Neben „Bruno“ macht ein Artgenosse, „Balou“, in Frankreich wieder von sich reden. Der seit drei Wochen verschwundene „Balou“ tauchte wieder auf.

Das finnische Team auf den Fersen „Brunos“ soll die Alpen bis zum Montag verlassen. Zwar bleibe es Ziel, „Bruno“ zu fangen, stellte Bayerns Umweltminister Werner Schnappauf (CSU) klar. Sollte dies aber bis Montag nicht geglückt sein, werde die allgemeine Abschussgenehmigung in Bayern wieder in Kraft gesetzt.

Auch in Tirol soll voraussichtlich am kommenden Montag neu über die Zukunft „Brunos“ entschieden werden, wenn die Bärenjäger ihre Suche einstellen. Der Sprecher der Tiroler Landesregierung, Thomas Schönherr, sagte, dass es eine Option sei, „Bruno“ zum Abschuss freizugeben. Ziel werde es aber weiter bleiben, den Streuner, der seit über einem Monat zwischen Bayern und Österreich hin und her pendelt, zu narkotisieren und in ein sicheres Wildgehege zu bringen.

In Frankreich wurde der seit drei Wochen verschwundene Braunbär „Balou“ dank eines GPS-Sendegerätes wieder gefunden. Nach Angaben der Gendarmerie des Pyrenäen-Départements Ariège vom Donnerstagabend geht es dem Tier gut. Techniker der zuständigen Behörde würden jetzt die Wanderung des Tieres weiter verfolgen. Von „Balou“ waren zuletzt Anfang Juni Signale empfangen worden. „Balou“ trägt die Geräte an einem Halsband sowie eingepflanzt in der Bauchgegend mit sich herum.

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