Schräg und bunt
Hundertwasser in Neuseeland

Ein echtes Hundertwasser-Toilettenhäuschen hat Neuseeland schon. Jetzt soll in der Wahlheimat des Künstlers ein buntes Kunstzentrum in Hundertwasser-Manier entstehen. Nicht alle sind begeistert.
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WellingtonSchon mal von Whangarei gehört? Das dröge Örtchen am Nordzipfel der Nordinsel von Neuseeland will bald in der obersten Liga spektakulärer Museumsbauten mitmischen: Auf dem Tisch liegt das Design eines Hundertwasser-Kunstzentrums, gefertigt nach Skizzen, die der österreichische Architekt, Maler und Wahl-Neuseeländer vor 20 Jahren höchstpersönlich fertigte.

Hundertwasser-Fans erkennen die Handschrift des Meisters auf den ersten Blick: am Turm mit goldener Zwiebelkuppel, der leuchtend bunten kurvige Fassade und dem bewachsenen und begehbaren Dach. Entstehen soll das Ganze aus dem hässlichen Gebäude, in dem einst die Hafenverwaltung saß. Der Kontrast könnte größer kaum sein.

„Dies ist genau das, was diese Gegend dringend braucht“, sagt Richard Smart, der die Hundertwasser-Stiftung aus Wien in Neuseeland vertritt. „Ich kann es kaum abwarten - ich weiß ja, welchen Effekt Hundertwasser-Gebäude immer haben.“ Wie die öffentlichen Toiletten, die Friedensreich Hundertwasser seiner Wahlheimat vor seinem Tod im Jahr 2000 schenkte: unebene Kachelböden, krumme Wänden, Fenster aus Flaschenbäuchen und verspielte bunte Säulen. Schon das stille Örtchen lockt jedes Jahr tausende Besucher in die Gegend. Nicht alle Einwohner sind aber begeistert.

Der 1928 geborene Hundertwasser lebte die letzten 25 Jahre seines Lebens auf einer Farm in Kaurinui etwa 50 Kilometer weiter nördlich. 1986 wurde er neuseeländischer Staatsbürger. Das reicht den Kritikern noch lange nicht, um ihm ein Denkmal zu setzen. „Viele Leute sagen: Hundertwasser kam ja gar nicht von hier, sondern aus dem Ausland“, nörgelt Warren Slater, der im Oktober Bürgermeister werden will. Er persönlich sei zwar nicht dagegen. Aber dann zählt er auf, was „den Leuten“ an dem Projekt alles nicht passt.

Vor allem die Kosten. In einer Telefonumfrage vor einem Jahr seien 68 Prozent dagegen gewesen, dass öffentliches Geld in das Projekt fließt. „Die Mehrheit ist dagegen, weil es den Steuerzahler Geld kostet“, sagt Slater. „Hier leben Leute, die müssen stehlen, um ihre Familie zu ernähren, die können nicht noch mehr Abgaben leisten.“ Und überhaupt: „Was die Leute echt stört, ist, dass es gar kein Original ist“, sagt er. „Ein Schwindel, es gab ja bloß eine Skizze auf einer Restaurantserviette, wenn wir es richtig verstanden haben.“

Was Slater als „Schwindel“ bezeichnet, stammt aus der Feder des deutschen Architekten Heinz Springmann, der mit Hundertwasser gemeinsam Projekte wie den Uelzener Bahnhof, die Waldspirale in Darmstadt und das Luther-Melanchthon-Gymnasium in Wittenberg verwirklichte.

Die Distriktverwaltung von Whangarei bleibt unbeirrt. Sie stellt acht Millionen neuseeländische Dollar (fünf Millionen Euro) bereit, die restlichen 5,6 Millionen Dollar müssen aus Spenden kommen. Gut ein Drittel ist schon zugesagt, für den Rest wird jetzt die Werbetrommel gerührt. Nach Hundertwassers Wünschen soll das Zentrum sowohl Werke von ihm ausstellen - die Stiftung aus Wien hat schon Leihgaben zugesagt - als auch Kunst der neuseeländischen Ureinwohner, der Maori.

„Hundertwasser hatte viel mit uns Maori gemeinsam“, sagt Elizabeth Ellis. Sie berät das geplante Kunstzentrum bei der Auswahl der Austellungsstücke. Wie den Maori sei es Hundertwasser immer um Nachhaltigkeit und Naturschutz gegangen. „Das Thema von Hundertwasser und von unseren Künstlern ist der Schutz der Umwelt und wie die Menschen gedeihen können.“ Sharon Morgan, Ratsmitglied von Whangarei und zuständig für die Spendenaktion, gehört zu den großen Fans: „Die Kombination aus Hundertwasser und Maori-Kunst - das wird das Herzstück unseres kulturellen Erbes“, sagt sie.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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