Schröder ruft zur Einmischung auf
Neubau der Akademie der Künste eröffnet

HB BERLIN. Bundespräsident Horst Köhler und Kanzler Gerhard Schröder (SPD) haben am Samstagabend den Neubau der Akademie der Künste in Berlin eröffnet. Schröder rief in seiner Rede Künstler auf dazu auf, sich in die Politik einzumischen. Er erinnerte an die NS-Zeit und den fehlenden Widerstand gegen die Nazis. An dem Festakt nahmen auch Kulturstaatsministerin Christina Weiss, der amtierende Akademiepräsident Adolf Muschg und Ehrenpräsident Walter Jens teil.

Muschg kommentierte die Abwesenheit des Berliner Regierenden Bürgermeisters Klaus Wowereit (SPD), der den Besuch eines gleichzeitig stattfindenden Fußballspiels von Hertha BSC vorgezogen hatte, mit einer spitzen Bemerkung: Er hoffe, auch die Akademie könne «diesem Landesherren ein Spiel bieten, in dem auch er sich wiedererkennt.» Wowereit ließ sich von Bürgermeisterin Karin Schubert vertreten.

Das 56 Millionen Euro teure Gebäude zwischen Brandenburger Tor und dem Holocaust-Mahnmal mit seiner charakteristischen Glasfassade wurde von den Architekten Günter Behnisch und Werner Durth entworfen. Bereits zwischen 1907 und 1937 war die Akademie, die derzeit 370 Mitglieder aus aller Welt hat, an diesem Ort untergebracht - bis zum Rauswurf durch die Nazis.

Um die Architektur des Baus hatte es einigen Streit gegeben. Behnisch hatte auf seinen modernen Entwurf beharrt und sich damit letztlich durchgesetzt. Bundespräsident Köhler lobte das Konzept und erinnerte an seien Vorvorgänger Roman Herzog, der während des «Fassadenstreits» gesagt hatte, eine Akademie der Künste solle kein Honoratiorenclub sein und auch nicht so aussehen.

Köhler äußerte die Hoffnung, der Bundespräsident und die Politik könnten in der Kunst und in Künstlern Verbündete finden, um strittige Fragen der Zeit zu diskutieren: einerseits die von allen geforderte Kreativität und andererseits die Bequemlichkeit eines normierten Lebens oder die ökonomischen Bedingungen, die es der Kunst schwer machten.

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