Schröder verabschiedet Stoiber
Wolfratshauser Brotzeit: „Alles hat seinen Reiz“

Im September 2002 wäre Edmund Stoiber (CSU) benahe Bundeskanzler geworden. 8000 Stimmen fehlen. Die Kanzlerkandidatur hatte ihm CDU-Chefin Angela Merkel am 13. Januar 2002 beim Frühstück in seiner Wolfratshauser Doppelhaushälfte angetragen. Fünf Jahre später gibt es an gleicher Stelle wieder eine Brotzeit. Zu Besuch: Der Wahlsieger von 2002.

HB WOLFRATSHAUSEN. Ex-Kanzler Gerhard Schröder (SPD) fährt mit zwei Luxuskarossen in der oberbayerischen Kleinstadt vor. „Alles hat seinen Reiz“, sagt Stoiber anschließend über den Unterschied zwischen den beiden Gästen am heimischen Esstisch.

Schröder ist seit 2005 im politischen Ruhestand, Stoiber folgt ihm in zwei Wochen. Nach einem Vierteljahrhundert in der bayerischen Staatsregierung und 14 Jahren als Ministerpräsident muss der 65-Jährige zurücktreten, weil die CSU seiner überdrüssig geworden ist. Schröder zollt dem einstigen Rivalen Respekt, verbunden mit einem Tiefschlag für dessen Nachfolger: „Das war Bundesliga“, sagt er – und wiederholt den Scherz eine Stunde später vor 1 000 Zuhörern im Bierzelt des SPD-Ortsvereins: „Was jetzt kommt, die Seehubers, das ist bestenfalls Kreisklasse.“ Stoiber lacht, widerspricht aber: „Das muss ich natürlich empört zurückweisen, sagt er.

Die Brotzeit scheint ein voller Erfolg. Worüber die beiden bei dem knapp zweieinhalbstündigen Treffen sprechen, wird nicht ganz klar: „Wie's war, wie's weitergeht“, sagt Stoiber unbestimmt. Trotz seiner künftigen Aufgabe als EU-Kämpfer gegen die Bürokratie weiß niemand so recht, wie Stoiber sich die Zukunft nach seinem Auszug aus der Münchner Staatskanzlei vorstellt. Denn Brüssel ist wohl nur eine Teilzeitaufgabe. „Ein null-Dollar-Job“, sagt Stoiber. Er habe „sehr viele Angebote“. CSU-Politiker beobachten seit Monaten ein stetes Pendeln zwischen Entspannung und deutlich spürbaren Abschiedswehen. Nach einer lockeren Phase sei derzeit auch das Verhältnis zum designierten Ministerpräsidenten Günther Beckstein wieder etwas gespannter, heißt es.

„Viele wollen wissen, was da geredet wird“, meint Schröder später im Bierzelt über das Treffen. „Das ist vertraulich.“ Stoibers Zukunftspläne sind in der CSU Gesprächsthema – aus Sorge, er könne den Nachfolgern dazwischen funken. In den Wochen nach Stoibers Rückzugsankündigung im Januar sagten viele CSU-Politiker diplomatisch, Stoiber werde auch künftig „eine wichtige Rolle“ in der Partei spielen. Jetzt, gut zwei Wochen vor Stoibers Rücktritt auf dem CSU-Parteitag Ende September, sagt das niemand mehr.

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