Schuldentilgung Boris sucht seine Pokale

Seit Monaten haben Insolvenzverwalter das Sagen über die Finanzen von Boris Becker, der im vergangenen Sommer für pleite erklärt wurde. Sogar seine Pokale sollen verkauft werden – doch einige von ihnen sind verschollen.
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Acht seiner 49 Trophäen sollen unauffindbar sein. Quelle: AFP
Tennislegende Boris Becker

Acht seiner 49 Trophäen sollen unauffindbar sein.

(Foto: AFP)

LondonBei den Australian Open in Melbourne läuft es für Tennislegende Boris Becker gerade großartig: Als Kommentator für einen Sportsender wird er von Tennisfans bejubelt und am Rande des Platzes plaudert der mittlerweile 50-Jährige entspannt mit Stars wie John McEnroe und Promi-Koch Gordon Ramsey. Vermutlich hat Deutschlands erfolgreichster Tennisspieler in Australien aber auch einen genauen Blick auf den Trophäenschrank geworfen – denn seit einigen Monaten sammeln er und seine Insolvenzverwalter die wertvollen Trophäen wieder ein, um sie zu versilbern. Peinlicherweise sind einige der Kostbarkeiten aber nicht zu finden.

Die Insolvenzverwalter und Becker haben deswegen um Hilfe bei der Suche nach Beckers Pokalen gebeten. In einem Statement heißt es: „Jeder, der Informationen über den Verbleib der fehlenden Trophäen, andere Erinnerungsstücke oder andere Informationen, die für die Konkursmasse von Herrn Becker relevant sind, geben kann, wird gebeten, sich an die Insolvenzverwalter zu wenden.“

Insgesamt sollen acht der 49 Trophäen von Becker unauffindbar sein, darunter auch seine Pokale von den Australian Open 1991 und 1996 sowie von seinem wohl größten Erfolg: dem Wimbledon-Sieg im Jahre 1985. Auch die Pokale aus den Jahren 1986 und 1989 sind verschollen, ebenso wie die des President's Challenge Cup 1985 und 1989 sowie des Renshaw Cup 1989.

Vom Wimbledon-Sieg bis zur Insolvenz
30. Juni 1999
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Boris Becker ist 1985 (Bild) der erste ungesetzte Spieler, der erste Deutsche und der jüngste Sieger beim Tennis-Turnier in Wimbledon. 1999 tritt er vom Profisport zurück. Während seiner Karriere hat er insgesamt 49 Einzel-Turniere gewonnen, darunter sechs Grand-Slam-Titel. Als Doppelspieler gewann er 15 Titel. Sein Preisgeld für alle Erfolge betrug rund 25 Millionen US-Dollar.

Ein Video über Boris Becker gibt es hier

2001
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Die Scheidung von seiner Frau Barbara (l.) kostet Boris Becker etwa 22,4 Millionen Euro. Gleichzeitig muss Boris Becker 1,1 Millionen Pfund an die Mutter seiner außerehelichen Tochter zahlen. Das 2000 von ihm mitbegründete Unternehmen Sportgate geht pleite. Der Insolvenzverwalter verklagt Becker auf die von ihm in einer Vereinbarung zugesicherte Summe von 1,5 Millionen Euro. Becker wird zur Zahlung von etwa 5700 Euro verurteilt.

2002
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Am 24. Oktober 2002 verurteilt das Landgericht München Becker wegen Steuerhinterziehung zu einer Bewährungsstrafe von zwei Jahren und einer Geldstrafe von 500.000 Euro. Er hatte rund 1,7 Millionen Euro hinterzogen.

2006
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Nachdem die Frankfurter Allgemeine Zeitung ein Bild Boris Beckers ungefragt für eine Test-Zeitung zu Werbezwecken verwendet, muss sie dem ehemaligen Tennisspieler 1,2 Millionen Euro Schadensersatz zahlen.

2008
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Im April 2008 bestreitet Becker in Monte-Carlo sein erstes Turnier als Pokeramateur. Bei der World Poker landet er auf dem 40. Platz und gewinnt rund 40.000 Dollar Preisgeld. Der Unternehmer Hans-Dieter Cleven, ein Geschäftspartner Beckers, gewährt Becker seit 2001 immer mehr Darlehen. Als Sicherheit überschreibt Becker Cleven seine privaten Vermögenswerte.

2010
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Der Pfarrer, der Becker und seine zweite Frau Lilly (l.) 2009 traute, verklagt Becker, weil der die Rechnung des Pfarrers über 7056 Euro nicht zahlt. Beckers Klage gegen den Pfarrer, der sich von der Schweigepflicht entbinden ließ, wird abgelehnt. Laut Becker seien 1300 bis 1600 Euro als Honorar ausgemacht worden.

2011
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Becker hat rund 2800 Schweizer Franken durch Knöllchen verursachte Schulden. Boris Becker versucht, sein Elternhaus in Leimen inklusive des dazugehörigen Grundstücks für insgesamt 414.000 Euro an die Immobilienfirma S&K verkaufen. Das Unternehmen tritt jedoch vom Kauf zurück, als Becker einen erforderlichen Grundschuldbrief nicht vorlegt.

Becker will mit dem Verkauf seiner Pokale Schulden tilgen, mehr als eine Million Euro sollten sie einbringen. Bisher war Becker davon ausgegangen, dass seine Pokale bei Institutionen wie dem All England Tennis Club, der US Tennis Association, der Tennis Hall of Fame oder dem Deutschen Tennisbund seien. Doch diese scheinen nicht im Besitz der Trophäen zu sein. Es ist im Profi-Sport nicht unüblich, dass Pokale als Leihgabe an den Veranstalter zurückgegeben werden und von ihm ausgestellt werden.

Der Deutsche wurde vergangenen Juni von einem Gericht in London offiziell für bankrott erklärt. Im Laufe seiner Karriere soll er über 100 Millionen Euro eingenommen haben, heißt es in britischen Zeitungen, doch im Streit über eine Forderung von 3,3 Millionen Pfund (umgerechnet 3,8 Millionen Euro) musste er Insolvenz anmelden. Seitdem versilbern seine Insolvenzverwalter offenbar alles, was sich zu Geld machen lässt. Auch der Tennisschläger, mit dem Becker 1999 sein letztes Spiel in Wimbledon bestritten hatte, wurde schon verscherbelt: in der deutschen TV-Sendung „Bares für Rares“. 10.000 Euro kassierte Becker dafür; das Geld sollte allerdings für wohltätige Zwecke gespendet werden. Doch wie später herauskam, wurde zunächst nicht der richtige Schläger dem Käufer übergeben – und laut „Bild“-Zeitung soll das Geld auch nicht bei der Wohltätigkeitsorganisation angekommen sein.

Angesichts derartiger Nachrichten werden Beckers Familie und seine Schuldner froh sein, dass Becker ab und zu noch etwas verdient – wie etwa jetzt als TV-Kommentator in Australien.

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