Schulmassaker in Finnland
Amokläufer bereitete sich sechs Jahre vor

Der Amokläufer im finnischen Kauhajoki hat seine Tat offenbar jahrelang geplant. Darauf deutet eine von ihm hinterlassene „Hassbotschaft“. Unterdessen ist die Polizei von Kauhajoki wegen ihrer Untersuchungen im Vorfeld der Tat in die Kritik geraten.

HB HELSINKI. Der Amokläufer in der Berufsschule im finnischen Kauhajoki hat sich sechs Jahre auf seine Bluttat vorbereitet. Einen Tag nach dem Massaker mit der Ermordung von acht jungen Frauen und zwei Männern teilte die Polizei am Mittwoch mit, dass der 22-jährige Matti Saari eine entsprechende „Hassbotschaft“ in seinem Zimmer in einem Studentenwohnheim hinterlassen hat. Sie soll nicht veröffentlicht werden.

Als sicher gilt nach Angaben der Polizei inzwischen, dass Saari gezielt ihm bekannte Mitschülerinnen und Mitschüler aus der eigenen Klasse und aus seinem Jahrgang auf der Berufsschule für Fremdenverkehrs-, Restaurant- und Haushaltsgewerbe getötet hat. Alle Opfer stammen aus der Region um das 350 Kilometer nördlich von Helsinki gelegene Kauhajoki. Die Namen und das Alter der Opfer oder andere Einzelheiten wollte die Polizei nicht veröffentlichen. Die meisten Schüler der Schule sind zwischen 18 und 25 Jahren alt. Eine 21 Jahre alte Frau überlebte das Massaker. Sie ist schwer verletzt und wird im Krankenhaus von Tampere behandelt.

Der Attentäter tötete nicht nur durch Schüsse aus seiner halbautomatischen Pistole vom Typ Walther P22, sondern auch durch Brandstiftung. Er war am Dienstagmorgen maskiert in die Schule gestürmt und hatte neben der Waffe auch eine mit Sprengsätzen und Chemikalien gefüllte Tasche mitgebracht und Feuer gelegt. Mehrere der Opfer seien an Rauchvergiftung gestorben, hieß es am Mittwoch.

Während überall in Finnland zum Zeichen der Trauer die Flaggen auf halbmast gehisst wurden, kündigte Ministerpräsident Matti Vanhanen bei einem Besuch am Tatort eine Verschärfung der finnischen Waffengesetze an. Vanhanen kritisierte das Verhalten der Polizei, die den Amokläufer einen Tag vor seiner Tat wegen Gewaltvideos im Internet verhört hatte: „Es wäre wichtig gewesen, wenn die Polizei gehandelt hätte, nachdem aus der Öffentlichkeit gezielt wegen der Videos auf dem YouTube-Forum gewarnt worden war“, sagte er.

Wenige Stunden nach dem Verhör bei der Polizei und am Abend vor dem Amoklauf stellte Saari ein neues Video ins Internet, auf dem er Richtung Kamera schießt und ruft: „Du stirbst als nächster.“ Mitbewohner im Studentenwohnheim und Mitschüler schilderten ihn als still, wenig auffällig und generell „völlig normal wirkend“. Sein Schuldirektor Tapio Varmola sagte: „Er hat ein Doppelleben mit völlig voneinander getrennten Hälften gelebt. Wir haben von der anderen nichts geahnt.“

Die führende finnische Tageszeitung „Helsingin Sanomat“ kommentierte das zweite derartige Massaker innerhalb eines Jahres mit kritischen Anmerkungen zum international hoch geachteten Schulwesen Finnlands: „Bis zum letzten Herbst hörte die Welt nur Positives über unsere Schulen. Jetzt hat sich das Bild radikal geändert, nachdem mörderische Gewalt 20 Schüler das Leben gekostet hat. Sind die Schulen vielleicht zu sehr auf gute Zensuren aus und vergessen anderes? Haben wir bei der Erziehung vielleicht Einfühlung und Wärme zu sehr vernachlässigt, mit denen man die kalte Seite von Persönlichkeiten unter Kontrolle bringen kann?“ Erst im vergangenen November hatte ein 18-jähriger Abiturient im finnischen Jokela sechs Mitschüler, die Rektorin und die Schulkrankenschwester erschossen. Anschließend nahm er sich das Leben.

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