Schulprojekt für Tsunami-Opfer
Sprungbrett zu einer besseren Zukunft

Der Tsunami hinterließ nicht nur viele Tote, sondern auch Armut und Hoffnungslosigkeit. Das Yaowawit-Schulprojekt eines Deutschen gibt thailändischen Kindern die Chance auf eine bessere Zukunft.
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„Ich erinnere mich an das Wasser, die Schreie. Wir hatten alle Angst”, Yu (15) knetet die schmalen Finger und schaut auf ihr Hausaufgabenheft. Das Mädchen mit den dunklen Locken hat noch einiges vorzubereiten für den nächsten Schultag.

Und eigentlich will sie gar nicht schon wieder über den Tsunami sprechen. Auch Sumin (16) blickt betreten auf den Tisch. Zu oft hat sie bereits wiederholt, dass ihre Familie damals vor zehn Jahren alles verloren hat. Der 26. Dezember 2004 war für die beiden schüchternen Mädchen aus dem Süden Thailands, wie für so viele Menschen, ein dramatischer und traumatischer Einschnitt. Aber auch einer, der zu einem Neuanfang führte.

Yu und Sumin kommen aus armen Familien. Nach der Katastrophe, die insgesamt über 200.000 Menschen das Leben gekostet hatte, ging es in den Fischergemeinden der Inseln um das pure Überleben. Das ohnehin spärliche Hab und Gut wurde von den Fluten davon gerissen – ebenso wie die Chancen der Kinder auf eine Schulbildung. Wären sie nicht in der gemeinnützigen Privatschule Yaowawit untergekommen, ihre Leben hätten damals wohl eine ganz andere Richtung eingeschlagen.

Das Internat, gegründet vom deutschen Philanthropisten Philipp Graf von Hardenberg, schmiegt sich malerisch an einen Hang von Kampong im Phang Na-Distrikt. Rote Häuschen säumen den Weg auf die Spitze des Hügels.

Dort ist abwechselnd tosendes Kindergeschrei, aufgeregtes Tellergeklapper oder der melodische Singsang thailändischer Volksweisen zu hören. Der Blick aus der Kantine geht in Richtung Dschungel, auch die offene Aula, dem Treffpunkt für Meditation und der abendlichen Spielstunden richtet sich auf tiefgrüne Palmen und großblättrige Bananenstauden.

Von Hardenberg war kurz nach dem Tsunami mit seiner Familie privat in Thailand und half, aufgerüttelt von den katastrophalen Zuständen, drei Wochen bei den Aufräumarbeiten. Das Schulprojekt spukte ihm damals bereits durch den Kopf. „Sechs Wochen nach dem Tsunami hatte ich das Yaowawit-Grundstück gekauft, etwas über ein Jahr später eröffneten wir die Türen für die ersten 70 Kinder”, sagt der Schulgründer.
„Wir haben bewusst nicht in Khao Lak etwas aufgebaut, dort hat der Tsunami zwar am schlimmsten zugeschlagen, aber wir wollten lieber in die zweite Reihe gehen, ins Inland, wo die Auswirkungen immer noch dramatisch zu spüren sind”, sagt von Hardenberg. Damals, im ersten Jahr war die Mehrzahl der Schüler direkt von den Auswirkungen der Katastrophe betroffen – Waisen, Halbwaisen und Kinder, deren Eltern sie nicht mehr ernähren konnten, zogen in die liebevoll gestalteten Häuschen mit den Stockbetten und der knallbunten Bettwäsche.

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„Die Schüler sollen sehen, was die Welt zu bieten hat.“

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