Schultheater
Das Wunder vom Wedding

Nirgendwo sonst leben mehr Menschen von Sozialhilfe, nirgendwo sind die Sprachprobleme der Schüler gravierender, nirgendwo ist der Ausländeranteil höher – als in Berlin-Wedding. In dem Berliner Stadtteile mit den größten sozialen Problemen macht ein Amerikaner aus frustrierten Jugendlichen eine erfolgreiche Musicaltruppe.

BERLIN. Um seine bundesweite Bekanntheit muss sich dieser Stadtteil keine Sorgen machen. Wenn es auch nicht die Art von Renommee ist, die man sich wünscht. Gemeinsam mit Neukölln gelten Wedding und Moabit als die Problemkinder der Hauptstadt. Der Bezirk Mitte, zu dem Wedding gehört, bringt es auf einen Anteil von 20 Prozent aller Straftaten in Berlin. Manche sprechen gar von der „Bronx von Berlin“.

Von dem Arbeiterviertel, in einem Kampflied einst besungen als „Roter Wedding, grüßt euch, Genossen, haltet die Fäuste bereit“, ist nicht mehr viel übrig. Wenn heute die Fäuste fliegen, gehören sie nicht revolutionären deutschen Arbeitern, sondern „Jugendlichen mit Migrationshintergrund,“ wie es im Verwaltungssprech heißt.

Peter Jerke kennt seine Kunden, er ist Präventionsbeauftrager des Polizeiabschnitts 36 im Wedding, wo er geboren und aufgewachsen ist. „Man darf nichts hochpuschen, auch früher schon gab es hier öfter was auf die Nase. Was sich geändert hat, ist die Qualität der Gewalt.“ In seiner Jugend habe man sich geprügelt, bis einer auf dem Boden lag, dann war Schluss. „Heute geht es dann weiter, dann wird auf das Opfer eingetreten“, sagt Jerke.

Man muss schon ziemlich verrückt sein, wenn man sich ausgerechnet den Wedding aussucht, um mit Jugendlichen ein Musikprojekt zu starten. Todd Fletcher ist verrückt. Das jedenfalls sagt der 38-jährige, in New York aufgewachsene Komponist von sich selbst. Ende vergangenen Jahres sprach er die Ernst-Schering-Oberschule an: Ob er nicht mit 100 Schülern ein Musical einstudieren könnte? Sue Timken, Gattin des US-Botschafters in Berlin, unterstützte Fletcher dabei.

„Die Schule war sofort interessiert“, sagt Schulleiter Hilmar Pletat. „Wir sahen die Gelegenheit, aus dem Trott auszubrechen.“ In Nachbarschaften wie dem Wedding ist Motivation keine leichte Aufgabe: Die Schüler, die zu 80 Prozent aus ausländischen Familien stammen, haben keine großen Erwartungen mehr an ihre Zukunft. Klares Rollenvorbild, vor allem der Jungs, sind cool-brutale „Gangsta Rapper“.

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