Schwarzer Rauch über der Sixtinischen Kapelle
Der Wahl-Reigen im Vatikan hat begonnen

Über der Sixtinischen Kapelle in Rom ist am Montagabend schwarzer Rauch aufgestiegen - zum Zeichen, dass die 115 Kardinäle beim Konklave zum ersten Mal über den neuen Papst abgestimmt haben und dabei kein Name die notwendige Zwei-Drittel-Mehrheit fand.

HB ROM. Das Konklave hatte am Nachmittag begonnen, als das "extra omnes" erscholl (alle hinaus), das alle alle außer den Kardinälen zum Verlassen der prächtig ausgemalten Kapelle aufforderte. An der Prozession zur Kapelle hatten zahlreiche andere Geistliche teilgenommen.

Der deutsche Kardinal Joseph Ratzinger hatte das jahrhundertealte Zeremoniell eingeleitet. Bei der Messe im Petersdom in Rom sah man dem Mann aus Bayern die Strapazen der vergangenen Tage an. Vor Würdenträgern und einfachen Gläubigen aus aller Welt erbat Ratzinger Hilfe bei der Suche nach dem nächsten Papst: „Nach dem großen Geschenk von Papst Johannes Paul II. gebe er uns erneut einen Hirten, der uns führt."

Ratzinger gehört selbst zu den Favoriten für die Nachfolge von Johannes Paul II., der am 2. April gestorben war. Der Geistliche aus Bayern wirkte streckenweise erschöpft; er wischte sich die Schweißperlen vom Gesicht. Nachdrücklich kritisierte er, dass ein klarer religiöser Glaube heute oftmals als „Fundamentalismus“ bezeichnet werde. Ratzinger kritisierte einen „radikalen Individualismus“ ebenso wie eine „Diktatur des Relativismus, die nichts als endgültig anerkennt und als das letzte Maß aller Dinge nur das eigene Ich und dessen Gelüste versteht“. Nach der Predigt brandete Beifall auf.

In Rom wird ein kurzes Konklave von wenigen Tagen erwartet. Ab Dienstag werden täglich bis zu vier Wahlgänge erwartet. Zunächst ist eine Zwei-Drittel-Mehrheit von 77 Stimmen notwendig. Wird diese verfehlt, steigt schwarzer Rauch auf. Die Stimmzettel sollen täglich um 12.00 Uhr und um 19.00 Uhr verbrannt werden. Damit der Rauch schwarz ist, wird Pech beigemischt. Weißer Rauch ist das Signal, dass der Pontifex gefunden ist.

Vor der nun anstehenden Wahl des 265. Papstes der Kirchengeschichte gab es im 20. Jahrhundert insgesamt acht Konklaven. Sie dauerten zwischen zwei und fünf Tagen, im Schnitt drei Tage:

  • 1903: 4 Tage (Pius X.)
  • 1914: 3 Tage (Benedikt XV.)
  • 1922: 5 Tage (Pius XI.)
  • 1939: 2 Tage (Pius XII.)
  • 1958: 4 Tage (Johannes XXIII.)
  • 1963: 3 Tage (Paul VI.)
  • 1978: 2 Tage (Johannes Paul I.)
  • 1978: 3 Tage (Johannes Paul II.)



Die Kardinäle müssen während der Wahl alle Kontakte zur Außenwelt einstellen. In der Sixtinischen Kapelle haben Handys keinen Empfang mehr. Während des Konklaves leben die Kardinäle im Gästehaus Santa Marta im Vatikan, das nur einen Kilometer von der Sixtinischen Kapelle entfernt liegt.

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