Schwedisches Königshaus
Kronprinzessin Victoria darf heiraten

In diesen düsteren Krisenzeiten kann Schweden aufatmen: Königliche Botschaften verdrängen die schlechten Nachrichten um Saab-Krise und Massenentlassungen und lassen das Volk wieder an die Zukunft glauben.

STOCKHOLM. Kronprinzessin Victoria und ihr langjähriger Freund, der Fitnesstrainer Daniel Westling, haben sich verlobt und wollen im kommenden Frühjahr heiraten. Diese langerwartete Nachricht lässt die wirtschaftliche Tristesse für einen Augenblick in den Hintergrund rücken. Und die Hochzeit, die das royale Großereignis 2010 sein wird, dürfte auch der geplagten schwedischen Wirtschaft einen kräftigen Anschub geben. Allein der Verkauf von Andenkenartikeln - so haben Experten ausgerechnet - wird etwa 2,5 Mrd. Kronen (220 Mio. Euro) einbringen.

Der Verband des schwedischen Einzelhandels geht davon aus, dass es kaum eine Produktkategorie im kommenden Jahr geben wird, die nicht auf die königliche Eheschließung Bezug nimmt: Mit speziellen Hochzeits-Flachbildschirm-Fernsehern bis hin zu Hochzeitssofas wollen Elektronik- und Möbelhandel von dem Großereignis profitieren. Und es gibt weitere Sieger: Der Fremdenverkehrsverband rechnet mit etwa 12 000 Touristen, die die Hochzeit vor Ort mitverfolgen wollen. Und die möchten übernachten, essen und sich vergnügen. Viele Tage und Nächte lang. Auch die von der Weltwirtschaftskrise so gebeutelte Presse dürfte zu den Gewinnern zählen: Die Chefredakteurin der "Svensk Damtidning", die immer hautnah aus allen Königshäusern dieser Welt berichtet, hofft auf eine 30-prozentige Auflagensteigerung ab jetzt.

Eine Hoffnung allerdings zerschlug sich gleich: Das Wirtschaftsmagazin "Affärsvärlden" hatte ausgerechnet, dass die Börse nach der Bekanntgabe einer königlichen Hochzeit in den vergangenen einhundert Jahren in Schweden durchschnittlich immer um 16 Prozent gestiegen ist. Gestern dümpelte die Stockholmer Börse allerdings um den Nullpunkt herum.

Helmut Steuer berichtet für das Handelsblatt aus Skandinavien. Regelmäßig ist er auch in der Ukraine unterwegs.
Helmut Steuer
Handelsblatt / Korrespondent
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