Schweinegrippe
Deutschland drohen tausende Grippe-Infektionen

Der Mikrobiologe Alexander Kekulé rechnet auch in Deutschland mit Todesfällen durch die Schweinegrippe. Es sei klar, dass die Krankheit immer näher nach Deutschland rücke, sagte der Wissenschaftler im ZDF-"Morgenmagazin".

HB BERLIN. „Spätestens im Herbst wird der Virus zu einem allgemeinen Problem werden.“ Die Schweinegrippe werde dann die normale Grippe überlagern. Er gehe davon aus, dass sich in Deutschland einige Tausend mit dem Virus infizieren „und auch einzelne daran sterben werden“.

Der Schweinegrippevirus sei sehr infektiös, sagte der Experte. „Das Problem ist nur, dass die Symptome oft milde verlaufen, das heißt, die Infizierten bekommen oft gar nicht mit, dass sie den Virus haben. Sie sind aber trotzdem ansteckend.“

Kekulé warnte vor einer Panikmache, riet aber dazu, sich zu schützen. Spätestens im Herbst sollten gerade Berufsgruppen mit viel Kontakt zu anderen Menschen Vorsichtsmaßnahmen ergreifen: nicht mit den Händen ins Gesicht fassen, die Hände waschen und gegebenenfalls auch einen Mundschutz tragen. Auch eine Impfung sei empfehlenswert: „Der Impfstoff wird aber allerfrühestens Ende des Jahres da sein. Die Bundesregierung hat ihn noch gar nicht bei der WHO bestellt."

Die Familie von Europas erstem Schweinegrippe-Opfer erlebt indessen eine doppelte Tragödie: Nach dem Tod der Schottin durch das Grippevirus ist auch deren Frühgeborenes gestorben. Das Baby, das fast drei Monate zu früh auf die Welt kam, starb am Montagabend, teilten die Gesundheitsbehörden in Glasgow mit. Der zwei Wochen alte Junge Jack habe sich aber nicht mit der Schweinegrippe infiziert. Er war am 1. Juni elf Wochen zu früh geboren worden und wog nur etwa 1,3 Kilogramm. Seine 38 Jahre alte Mutter war am Sonntag als erste Patientin außerhalb des amerikanischen Kontinents an dem neuen H1N1- Virus gestorben. Sie litt nach Angaben der Ärzte unter Vorerkrankungen und lag schon länger auf der Intensivstation.

Der Vater des Frühchens und Lebenspartner der Mutter erklärte nach dem Tod seines kleinen Sohnes: „So kurz nach dem Tod seiner Mutter ist das eine extrem schmerzliche und schwierige Zeit für unsere Familie.“ Dem Jungen hätten „eine Reihe Komplikationen“ zu schaffen gemacht. Trotz seines „tapferen Kampfes“ sei er im Royal Alexandra Hospital in Paisley nahe Glasgow gestorben.

In Schottland haben sich bisher mehr als 500 Menschen mit der Schweinegrippe infiziert, in Großbritannien sind es bisher fast 1400 Fälle - mehr als in jedem anderen europäischen Land. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat weltweit rund 36 000 Infektionen registriert. 165 Patienten sind gestorben. In Deutschland sind nach Daten des Robert Koch-Instituts bislang 172 Fälle gemeldet worden.

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