Schweinegrippe
Die vielleicht ausgebliebene Katastrophe

Die Schweinegrippe hält das ganze Jahr über die Welt in Atem. Die Experten sind zunächst überrumpelt, gigantische Schäden werden befürchtet. Doch nun verliert sie an Kraft. Der Grund ist simpel: Das H1N1-Virus erweist sich als harmloser als befürchtet.
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GENF. Die ersten Meldungen über eine neue, gefährliche Grippe verbreiten sich Ende April. In Mexiko wütet ein neuer Erreger. Das Virus rafft Menschen und Schweine hin. Maskentragende Mexikaner flimmern über die TV-Kanäle. Schnell hat die Krankheit ihren Namen weg: Schweinegrippe.

Die Experten sind überrumpelt. "Natürlich habe auch ich gedacht: Wenn wir ein Problem bekommen, dann mit der Vogelgrippe", bekennt Deutschlands oberster Seuchenwärter, Jörg-Hinrich Hacker, Präsident des Robert-Koch-Instituts. Es scheint nur eine Frage der Zeit, bis die Schweinegrippe auch anderen Ländern Tod und Verderben bringen wird. Die "Eindämmung des Ausbruchs ist nicht durchführbar", warnt Margaret Chan. Die Generaldirektorin der Weltgesundheitsorganisation (WHO) steigert rasch die international gültigen Alarmstufen. Einige Beobachter sagen: zu rasch. Schließlich erreicht die Schweinegrippe im Juni das oberste WHO-Stadium - eine weltumspannende Seuche, eine Pandemie, grassiert.

Warnten die Fachleute nicht seit Jahren, eine Pandemie werde kommen? Es sei nicht eine Frage des Ob, sondern nur eine Frage des Wann. Die Medien steigern den Gruseleffekt und kramen in der Historie: Die spanische Grippe habe am Ende des Ersten Weltkriegs mehrere zehn Millionen Menschen hinweggerafft. Jetzt ist auch von gigantischen volkswirtschaftlichen Schäden die Rede. Das Virus H1N1 verbinde sich mit der globalen Rezession zu einem Job-Killer. Millionen Arbeitsplätze seien bedroht. Gleichzeitig scheint es unmöglich, die flächendeckende Versorgung der Bevölkerung mit Impfstoffen zu sichern. Eine massenhafte Produktion eines Impfstoffes gegen die Schweinegrippe würde zulasten der normalen Produktion von Anti-Grippe-Mitteln gehen, warnt die WHO. Doch Pharmafirmen wie Sanofi, GSK und Novartis liefern. Im Oktober beginnt der Run auf die Arztpraxen, die Impfung gegen die Schweinegrippe wird zum Massenphänomen.

Doch am Ende des ersten Jahres der Schweinegrippe bleibt von der Hysterie nicht viel übrig: trotz mehr als zehntausend H1N1-Toten, trotz Millionen Krankheitsfällen, trotz massiver Engpässe bei der Lieferung der Impfstoffe an arme Länder. Die globale Katastrophe ist ausgeblieben. Der Grund ist simpel: Das H1N1-Virus erweist sich als harmloser als befürchtet, die Pandemie verliert ihre Kraft.

Die Gefahr einer Mutation des Erregers ist aber noch nicht gebannt. Deshalb wollen die Experten keine Entwarnung geben: "Es ist zu früh, die Pandemie für beendet zu erklären", sagt der Sonderberater in der WHO für Grippe, Keiji Fukuda. Man werde die Lage gründlich im Auge behalten. Auch das Robert-Koch-Institut bleibt vorsichtig: "Frühere Influenzapandemien sind auch oft in mehreren Wellen aufgetreten."

Kommentare zu " Schweinegrippe: Die vielleicht ausgebliebene Katastrophe"

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  • Pandemiegefahr ist immer noch gegeben.

    Nicht zu früh freuen!

    Solange es nicht von Robert-Koch institut nicht Entwarnung gibt, solange die Gefahr!

    Auch das Robert-Koch-institut bleibt vorsichtig:

    "Frühere influenzapandemien sind auch oft in mehreren Wellen aufgetreten.

    Also Vorsichtig mit Aussagen!

    Mfg

  • Hallo
    ich lass mich erst impfen wenn sich mein schwänzchen anfängt zu kringeln.
    mfg

  • ich geb mal noch 2 interessante Links dazu:

    http://polskaweb.eu/schweinegrippe-impfung-mit-gefaehrlichen-folgen-6753745672.html

    http://www.wahrheiten.org/blog/2009/11/24/schweinegrippe-das-spiel-ist-aus-teil-3/

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