Schweinegrippe
Höhepunkt der Infektionen kommt erst noch

Die Ausbreitung der Schweinegrippe wird nach Expertenmeinung nicht durch die Impfung verzögert. Dies schlägt sich auch in den Zahlen nieder: Über 2000 neue Fälle werden täglich registriert, die Dunkelziffer ist nach Wegfall der Meldepflicht vermutlich um ein Vielfaches höher. Und auch die Zahl der Todesopfer steigt kontinuierlich.
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HB BERLIN. Die Zahl der neuen Schweinegrippe-Fälle in Deutschland steigt drastisch an. "Wir haben jetzt über 15. 000 neue Fälle pro Woche, die wir gemeldet bekommen, und das sind nur die laborbestätigten Fälle", sagte Gérard Krause vom Berliner Robert-Koch-Institut (RKI) im ZDF. Registriert wurden zuletzt für die 45. Kalenderwoche (1. bis 8. November) insgesamt 53. 957 Infektionen seit Ausbruch der Seuche. Auch die Zahl der Todesfälle steigt.

Der Anstieg der Schweinegrippe-Erkrankungen lag in der 44. Kalenderwoche noch bei 8532. In der 45. Woche kamen 14 890 hinzu. RKI-Sprecherin Susanne Glasmacher sagte, die Zahl der Infizierten sei in Wirklichkeit höher: "Es gehen nicht alle zum Arzt, und nicht jede Infektion wird dem Gesundheitsamt gemeldet." Seit Samstag gibt es für Ärzte in vielen Fällen keine Meldepflicht mehr.

In Europa nahm die Zahl der Todesfälle laut RKI um 69 auf 424 zu. Weltweit gibt es bisher etwa 6600 Fälle. In Deutschland wurden bis Ende letzter Woche 16 Tote registriert. Inzwischen dürften es schon 18 sein: In Bayern starb am Samstag ein 57 Jahre alter Mann im Klinikum Hof an der Schweinegrippe. Er kam wenige Tage zuvor mit starken Grippebeschwerden ins Krankenhaus und starb an einer Lungenentzündung. Eine Vorerkrankung ist nicht bekannt. In Niedersachsen starb zudem eine 52-jährige Frau aus dem Landkreis Osnabrück. Die Frau wurde vor einer Woche mit der neuen Influenza ins Krankenhaus gebracht. Sie litt an anderen Vorerkrankungen.

Unterdessen stellte sich bei einer Obduktion heraus, dass ein Herzinfarkt den Tod eines 55-jährigen Mannes aus Leinefelde in Thüringen verursachte, der mehrere Stunden nach der Impfung gegen die Schweinegrippe starb. Ebenfalls in Thüringen untersuchen die Behörden den Fall eines 66-jährigen, der am vergangenen Freitag gegen die Schweinegrippe geimpft wurde und am Montag starb. Wie das Thüringer Gesundheitsministerium mitteilte, litt er an einer chronischen Atemwegserkrankung. Eine Obduktion soll auch hier die Todesursache klären.

Im Zuge der großen Impfaktion stieg in Deutschland auch die Zahl der Verdachtsfälle mit unerwünschten Reaktionen seit Anfang November bis Ende vergangener Woche von 59 auf 197 sprunghaft an, wie aus einer Statistik der Impfbehörde Paul-Ehrlich-Institut hervorgeht.

Das RKI rechnet indes nicht damit, dass die Impfungen die Ausbreitung der Schweinegrippe in nennenswertem Umfang verhindern können. "Wir impfen, um Gefährdete zu schützen", sagte Glasmacher. Chronisch Kranken wird empfohlen sich auch gegen die saisonale Grippe impfen zu lassen. Der Höhepunkt der Infektionen wird erst im Dezember und Januar erwartet.

RKI-Experte Krause sagte, er könne die Verunsicherung der Bevölkerung wegen der Schweinegrippe-Impfung verstehen, "aber die Empfehlungen der Ständigen Impfkommission sind seit September gleich geblieben". Diese betreffen medizinisches Personal, Schwangere und Personen mit Vorerkrankungen. "Es sollten sich nur die Leute impfen lassen, die zur Zielgruppe gehören", betonte Krause.

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  • Hinweis!

    Gstorben wird nur einmal,
    das Risiko muß in Kauf genommem werden,evtl Nebenwirkungen zu erleiden.

    Alarm ernst nehmen!

    Keine Debatte mehr darüber, was wiso,wofür,usw.
    Robert Koch institut beschäftigt sich damit und tut dringend raten impfen zu lassen, Folge ist zu leisten.Ansteckunggefahr ist immens groß.
    Egal Pharmagewinn oder nicht das muss egal sein bei einer ankommenden Pandemie.
    Nicht mehr darüber nachdenken JETZT HANDELN!
    Das eine ernstzunehmende Schweinegrippevirus, kann Pandemie auslösen, und sollte womöglich das impfen dagegen schnellsten über sich ergehen zuzulassen. Wen in Zukunft nämlich mehrere Tote zu beklagen seien dann würde die Panik ausbrechen und dann werden Massenweise Menschen sich doch impfen. Wenn Menschen sich dann anstellen müssen um Geimpft zu werden dann werden sich noch mehrere anstecken. ich würde sogar jetzt schon anfangen eine Schutzmaske zu tragen somit das vermehren zu verzögern. Lieber im Vorfeld dagegen angehen, sonst wen es zur Nachlässigkeit der bekämpfung der Schweinegrippe zu beklagen kommt, dann wir die Pandemie keine Gnade kennen.

    Leute lasst Euch impfen und befolgt das was Robert Koch institut uns vorschreibt.
    Auch was dafür spricht ist die Tatsache das es erst in 2 bis 3 Wochen es schützen sich auswirkt auf dem Körperimmun des Menschen.

    Danke für das befolgen der Maßnahmen.

    Mfg




  • Warum fällt es mir schwer mit diesem Thema rational umzugehen ?
    a) Vielleicht weil die Anzahl von 4.477 Verkehrstoten oder 9.402 Selbstmorden in 2008 in der Medienkommunikation keine vergleichbare Aufmerksamkeit erfahren haben, weil damit nur im Ausnahmefall hohe Auflagen und Profite generiert werden können, wie der aktuelle Fall Robert Emke zeigt.
    b) Vielleicht weil ich mich nicht des Eindrucks erwehren kann, dass fundamentale Zulassungskriterien für Arzneimittel / impfstoffe nicht eingehalten wurden / werden ?
    c) Vielleicht weil ich höchst verunsichert bin darüber, ob mir eine impfung eher schadet oder doch nützt ?
    d) Vielleicht weil ich mich an diesem Konjunkturprogram zu Gunsten der Pharmaindustrie nicht beteiligen möchte ?
    e) Vielleicht weil ich nicht wissen möchte wer mit welcher Absicht täglich neue Zahlen zum Thema Grippeerkrankungen veröffentlicht, zumal es eine zentrale Datenerfassung dazu nicht gibt ?
    f) Vielleicht weil ich meine, dass auch zu diesem scheinbar soo eminent wichtigen Thema "der Stoff" bald ausgehen wird, weil auch in diesem Jahr, wie in jedem davor auch, die Grippe-"Welle" vorübergehen wird ? Mit interesse werde ich dann feststellen, inwieweit die langzeit-statistische Abweichung der Grippe-Toten mit dem "veranstalteten Tohuwabohu" korreliert.

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