Schweinegrippe
Schweingrippe-Virus wütet in Deutschland

1500 Schweinegrippe-Fälle sind bislang in Deutschland registriert worden. Allein in den vergangenen drei Tagen sprang die Zahl der Infizierten nochmals sprunghaft an. Gesundheitsexperten rechnen bis zum Ende der Ferienzeit mit weiteren Fällen, denn besonders im beliebten Urlaubsland Spanien breitet sich die Krankheit aus.
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HB DÜSSELDORF. Besonders viele Fälle von Schweinegrippe wurden den in den vergangenen Tagen in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen registriert. In Nordrhein-Westfalen ist die Zahl der Infizierten auf 800 angestiegen, allein seit Montagabend seien 209 neue Fälle bestätigt worden, teilte das Landesinstitut für Gesundheit und Arbeit (LIGA) in Münster mit. In Niedersachsen wurden bislang 430 Fälle gemeldet.

Meist seien Reisende erkrankt, die aus den spanischen Ferienregionen Mallorca oder Lloret de Mar an der Costa Brava zurückgekehrt seien. Der Leiter des Düsseldorfer Gesundheitsamtes, Heiko Schneitler, plädierte dafür, dass Touristen mit Symptomen der Schweinegrippe die Heimreise isoliert antreten sollten.Zum Ende der Sommerferien rechnen Experten mit einer beschleunigten Ausbreitung der Krankheit. In Niedersachsen kündigte der Leiter des Landesgesundheitsamtes, Matthias Pulz, spezielle Informationen für Schulen zum Verhalten bei Erkrankungen an.

Bundesweit wurden die Regelungen für den Umgang mit Schweinegrippe-Fällen aber mittlerweile wieder gelockert. Bisher sei nach jeder Kontaktperson eines Erkrankten gesucht und diese in Quarantäne gesteckt worden, sagte Susanne Glasmacher, Sprecherin des Robert Koch-Instituts (RKI) in Berlin. Nun laute die Empfehlung, sich darauf zu beschränken, die Ansteckung besonders gefährdeter Gruppen zu vermeiden. Eine Krankenschwester mit erkranktem Mann etwa dürfe sehr wohl am Kiosk eine Zeitung kaufen, solle aber nicht im Krankenhaus arbeiten. Ähnliches gelte für eine Kindergärtnerin. Kinder infizierter Eltern sollen künftig zwar nicht in die Schule geschickt werden, sie müssen aber nicht mehr zu Hause in Quarantäne bleiben. Ein Grund für die gelockerten Regeln ist, dass es wenig Sinn macht, massenhaft Kontaktpersonen zu Hause unter strenge Quarantäne zu stellen - zumal die Einhaltung auch kaum zu kontrollieren wäre.

Auch die deutsche Wirtschaft wappnet sich gegen die weitere Ausbreitung der Schweinegrippe. Zahlreiche Unternehmen haben Notfallpläne entwickelt, Hygiene-Vorschriften verschärft und Dienstreisen eingeschränkt. Unternehmen wie der Versicherungsriese Allianz und der Autobauer Daimler haben demnach bereits Vorräte des Grippe-Medikaments Tamiflu angelegt.

Beim Stahl- und Industriegüterunternehmen Thyssen-Krupp steht nach Konzernangaben ein Krisenstab bereit. Zudem seien auch hier Medikamente eingelagert worden. Der Baukonzern Hochtief genehmigt eigenen Angaben zufolge nur noch Dienstreisen, die „zwingend erforderlich“ sind. Es würden möglichst Direktflüge gebucht, um risikoreiche Aufenthalte an Flughäfen zu vermeiden. Der Chemie- und Pharmakonzern Bayer verfügt nach eigenen Angaben über detaillierte „Pandemie-Pläne“. Auch die Deutsche Bank sieht sich „sehr gut vorbereitet“ auf die steigende Zahl von Schweinegrippe-Fälle. Beim Handelsriesen Metro gibt es einen Leitfaden für Mitarbeiter mit Verhaltensregeln zur Hygiene, „um eine mögliche Ausbreitung des Erregers zu vermeiden“.

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