Schweinegrippe
Wie sich Deutschland gegen eine Pandemie wappnet

Mit der sich ausbreitenden Schweinegrippe wächst die Angst vor einer Grippe-Pandemie mit Millionen von Opfern weltweit. Experten fürchten, dass das Virus H1N1 dazu die Kraft hat: Denn anders als bei der Vogelgrippe ist eine Ansteckung von Mensch zu Mensch möglich. Deutschland ist auf den Ernstfall weitgehend vorbereitet.

BERLIN. Im vergangenen Jahrhundert gab es drei weltweite Grippe-Epidemien mit jeweils vielen Mio. Toten. In der Regel treten sie im Abstand von 30 bis 40 Jahren auf, aus Expertensicht ist die nächste Pandemie überfällig. Käme es zu einem weltweiten Grippeausbruch durch ein Influenzavirus, würde in Deutschland die Pandemie-Planung von Bund und Ländern umgesetzt.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat auf einer Skala von 1 bis sechs die „Pandemische Warnperiode“ (Phase 4) ausgerufen. Diese Stufe gilt bei Ausbrüchen der Krankheit, die jedoch noch lokal begrenzt sind. Für Deutschland bedeutet dies, dass im Gesundheitsministerium der interne Krisenstab einberufen wird, der über das Robert-Koch-Institut (RKI) Kontakt zur WHO hält. Zudem tritt ein gemeinsamer Krisenstab des Innen- und des Gesundheitsministeriums zusammen. Dieser steht in Verbindung zu den Krisenstäben der anderen Ressorts. Zwischen den Ministerien nimmt eine Koordinierungsgruppe ihre Arbeit auf. In den Phasen fünf und sechs werden die Maßnahmen und Koordinierungen kontinuierlich angepasst und verstärkt.

Mit der Entwicklung eines Impfstoffs wurde laut WHO bereits begonnen. Bis zur Fertigstellung dauert es jedoch rund mehrere Monate. Die erste Phase der in Wellen verlaufenden Pandemie müsste auf jeden Fall ohne Impfstoff überstanden werden.

Auch muss laut RKI davon ausgegangen werden, dass zunächst nicht ausreichend Impfstoff für die gesamte Bevölkerung zur Verfügung steht. Laut Pandemieplan soll der Impfstoff so verteilt werden, dass die medizinische Versorgung und die öffentliche Ordnung aufrechterhalten bleiben. Mitglieder von Polizei, Feuerwehr und medizinisches Personal würden daher vorrangig geimpft. Auch soll ein Personalausfall bei der Versorgung mit Nahrung, Trinkwasser, Energie sowie zur Aufrechterhaltung der Kommunikation vermieden werden. Darüber hinaus werden Risikogruppen vorrangig geimpft - ältere Bürger, Kinder und Menschen mit Vorerkrankungen.

Für Erkrankte können antivirale Präparate oder sogenannte Neuraminidase-Hemmer (z.B. Tamiflu) helfen. Diese tragen dazu bei, dass die Krankheit weniger schlimm und damit unter Umständen nicht tödlich verläuft. Die Bundesländer müssen für 20 Prozent der Bevölkerung diese Mittel vorrätig haben. Die Verteilung würde sich im Katastrophenfall nach ähnlichen Kriterien richten wie beim Impfstoff.

Da dennoch mit einem Ausfall von medizinischen Fachkräften zu rechnen ist, sind auch Maßnahmen zur Rekrutierung zusätzlichen Personals vorgesehen. Dazu gehören Medizinstudenten im letzten Ausbildungsabschnitt, geschulte Krankenpflegeschüler, Ärzte und Pflegekräfte im Ruhestand.

Fachpersonal und Öffentlichkeit sollen kontinuierlich informiert werden. Die Bürger werden aufgefordert, Hygieneregeln zu befolgen: sich nicht mehr die Hände zu geben, ein Anhusten und Anniesen zu vermeiden, Einmal-Taschentücher zu benutzen, Räume intensiv zu belüften, sich nach Personenkontakten gründlich die Hände zu waschen und enge Kontakte zu erkrankten Personen zu vermeiden. Kino-, Theater-, Disco-, Markt- und Kaufhausbesuche sollten vermieden werden.

Das Infektionsschutzgesetz ermöglicht notfalls das Verbot von Veranstaltungen oder Ansammlungen einer größeren Zahl von Menschen sowie die Quarantäne von Kranken oder Ansteckungsverdächtigen. Auch eine Schließung von Kindergärten und Schulen könnte angeordnet werden, ebenso eine Kontrolle Reisender etwa durch Temperaturmessungen.

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