Schweinepest in Westfalen
52 000 Tiere werden getötet

Eigentlich wurden die Untersuchungen durchgeführt, um den bestehenden Schweinepest-Sperrbezirk im Landkreis Borken aufheben zu können, doch was die Tierärzte dabei fanden, waren neue Hinweise auf die Seuche. Jetzt müssen 52 000 Tiere getötet werden.

HB BORKEN/RAESFELD. „Jetzt ist es eindeutig: Das Virus ist nachgewiesen“, sagte Kreisveterinärdirektor Harri Schmitt am Freitag. In den kommenden Tagen werden nun nach Auskunft des Landesagrarministeriums die Schweine in 96 Betrieben rund um den betroffenen Hof gekeult. Für Menschen ist die Krankheit ungefährlich.

Zuvor waren seit Anfang März wegen Ausbrüchen in den nordrhein-westfälischen Kreisen Recklinghausen und Borken mehr als 30 000 Tiere getötet worden. Das Düsseldorfer Agrarministerium ordnete bis zum 15. Mai ein absolutes Transportverbot für Zuchtschweine und Ferkel in den Regierungsbezirken Münster, Düsseldorf und Arnsberg an. Schlachtschweine dürften lediglich nach einer Untersuchung zum Schlachthof gebracht werden.

Einen ersten Verdacht für den neuen Ausbruch hatten Tierärzte in Borken bereits am Donnerstagabend geäußert. Sie hatten in Blutproben einiger Tiere Antikörper gegen den Erreger gefunden. Daraufhin hatte am Freitag bereits die Tötung der 600 Muttersauen und knapp 4000 Ferkel in dem betroffenen Betrieb an zwei benachbarten Standorten begonnen. Die infizierten Tiere seien äußerlich kaum krank gewesen, sagte Veterinär Schmitt. „Nur einige hatten ein bisschen Fieber.“ Am Freitagnachmittag jedoch kam die Bestätigung: Im Schweineblut war auch Erbgut des Virus gefunden worden.

Die Ursachen für das Wiederaufflackern der Krankheit seien derzeit noch unklar, hieß es im Agrarministerium. Laut Schmitt prüften drei Mitarbeiter des Veterinäramtes Borken, wie das Virus in den Stall gelangen konnte. Denkbar sei die Verschleppung durch Nagetiere, Fahrzeuge, verunreinigte Futterautomaten oder Menschen, die in beide Ställe gingen. Das für Schweine hoch ansteckende Virus wird über Harn, Speichel und Kot ausgeschieden.

„Das ist eine Katastrophe“, sagte der Präsident des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbandes, Franz-Josef Möllers. „Das war wie ein Keulenschlag.“ Die rigorosen Tötungen der Tiere im Sperrgebiet beträfen die Bauern emotional und wirtschaftlich enorm. Möllers wiederholte seine Forderung nach finanzieller Unterstützung für die betroffenen Bauern. Wegen der Transporte würden zahlreiche Schweine später geschlachtet als üblich. Diese überschweren Tiere brächten den Bauern weniger Geld.

Bei der seit Anfang März in Nordrhein-Westfalen grassierenden Schweinepest handelt es sich bundesweit um den ersten Ausbruch der Tierseuche unter Hausschweinen seit drei Jahren. Im vergangenen Jahr waren Wildschweine in der Eifel an der Schweinepest erkrankt.

Ausbrüche unter Wildschweinen wurden in den vergangenen Jahren in mehreren Bundesländern wiederholt beobachtet. Hausschweine waren in Deutschland zuletzt 2003 in einem kleinen Betrieb im rheinland- pfälzischen Carlsberg bei Bad Dürkheim erkrankt. Die bisher letzte große Epidemie wütete 1997/98 in Deutschland. Damals mussten 1,2 Millionen Tiere getötet werden.

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