Schweiz
Eiger: Felsmassen donnern in die Tiefe

Im Felssturzgebiet bei Grindelwald in der Schweiz kam es am Donnerstagabend zu einem erwarteten ersten massiven Abbruch. Etwa ein Fünftel der absturzgefährdeten Felsmasse der Eigerwand stürzte herab. Schaulustige konnten das Schauspiel beobachten.

HB GRINDELWALD. Am Donnerstagabend war es soweit: Kurz nach 19.00 Uhr stürzte rund ein Fünftel der zwei Millionen Kubikmeter labilen Felsmassen zu Tal. Zunächst war man noch von bis 700.000 Kubikmetern ausgegangen. Bei Tageslicht und nachdem sich die Staubwolke verzogen habe, zeige sich aber, dass der Abbruch etwas geringer ausgefallen sei, sagte Rettungschef Kurt Amacher. Bereits am Nachmittag war die so genannte Madonna vom Eiger gefallen, ein etwa 30 Meter hoher schlanker Felsturm mit einem Volumen von rund 600 Kubikmetern. Schaulustige konnten das Naturschauspiel von einer gegenüber liegenden Berggaststätte aus sicherer Entfernung beobachten.

Seit Tagen hatten Geologen und die Einwohner von Grindelwald mit Sorge eine Spalte an der Ostflanke des Eiger beobachtet. Ein 250 Meter langer und sieben Meter breiter Spalt zeugte davon, dass sich ein 200 Meter hohes Felspaket vom Hang gelöst hatte. Vermutlich ragt seine Basis weitere 200 Meter in den Untergrund hinein. Experten rechnen damit, dass sich insgesamt bis zu zwei Millionen Kubikmeter Fels lösen werden. Es wäre der größte Felssturz in Europa seit 15 Jahren.

Auch nach dem Absturz der rechten Partie der Felsnase an der Eiger-Ostflanke bleibt der Berg in Bewegung. Es würden laufend kleinere Felsstürze beobachtet, sagte Rettungschef Amacher. Er rechne aber nicht damit, dass in den kommenden Tagen weitere größere Blöcke zu Tal stürzten. In der Nacht auf Freitag und in den Morgenstunden waren an der Eiger-Ostflanke laut Amacher weitere kleinere Felsstürze zu beobachten. Die größeren Blöcke schienen aber soweit stabil, dass sie nicht in den kommenden Tagen ins Tal stürzen dürften. Die Gewitter haben kaum einen Einfluss auf die Felsmassen, wie Amacher weiter sagte. Hingegen dürfte die Hitze zu einem hohen Wasserdruck und damit mehr Bewegungen im Fels führen.

Das Absturzgebiet liegt weit außerhalb des Siedlungsgebietes. Weder Menschen noch Gebäude sind deshalb in Gefahr. Ursache für die Spaltung des Berges sind anscheinend Spannungen, die sich nach dem Rückgang des Gletschers entladen. Eindringendes Wasser trägt ebenfalls dazu bei, dass der Berg brüchig wird.

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