Schwere Schuld
Metzler-Mörder zu Höchststrafe verurteilt

Das Frankfurter Landgericht hat den Mörder der Frankfurter Bankierssohns Jakob von Metzler am Montag zur Höchststrafe lebenslange Haft verurteilt. Der 28 Jahre alte Jurist Magnus Gäfgen darf wegen der besonderen Schwere seiner Schuld nicht bereits nach 15 Jahren auf Bewährung entlassen werden.

HB/dpa FRANKFURT/MAIN. Das Gericht folgte damit dem Antrag von Staatsanwaltschaft und Jakobs Eltern, die als Nebenkläger auftraten. Sie hatten das Geständnis Gäfgens als reine Prozesstaktik bezeichnet und die Reue des Angeklagten bezweifelt.

Gäfgen hatte im Prozess gestanden, dass er am 27. September vergangenen Jahres den elfjährigen Jakob entführt und mit Klebeband erstickt hatte. Er wollte sich mit dem Lösegeld von einer Million Euro ein Luxusleben leisten. Den Tötungsvorsatz gegen den ihm flüchtig bekannten Jakob hat er erst nachträglich eingeräumt. Der mit rund 2500 € verschuldete Angeklagte wollte nach eigenen Angaben mit dem Geld seine Position im Freundeskreis und bei seiner elf Jahre jüngeren Freundin sichern.

Er war von der Polizei bei der Geldübergabe beobachtet und drei Tage nach der Entführung am Frankfurter Flughafen festgenommen worden. Erst nach Folterdrohungen der Polizei hatte er die Ermittler zum Versteck von Jakobs Leiche geführt.

Gäfgens Verteidiger hatte für den Fall einer Verurteilung mit besonders schwerer Schuld eine Verfassungsbeschwerde angekündigt. Ansatzpunkt sind die aktenkundigen Folterdrohungen der Polizei. Anwalt Hans Ulrich Endres sieht darin einen Verfahrensfehler, der möglicherweise eine Bestrafung seines Mandanten unmöglich mache. Er hatte bereits zu Beginn des Prozesses vergeblich die Einstellung des Verfahrens wegen der Folterdrohungen beantragt. Das Gericht untersagte aber lediglich die Verwendung früherer Geständnisse des Angeklagten im Prozess. Mit einer Revision beim Bundesgerichtshof wird gerechnet.

Das Ermittlungsverfahren gegen die für die Folterdrohungen verantwortlichen Polizisten ist laut Staatsanwaltschaft noch nicht abgeschlossen. Demnächst sollen die Anwälte Akteneinsicht erhalten. Vom Tisch sind hingegen Gewaltvorwürfe gegen die an der Festnahme beteiligten Polizisten. Die Freundin Gäfgens hat ihre Vorwürfe, ihr sei mehrfach mit einer Vergewaltigung gedroht worden, nicht aufrecht erhalten. Ein entsprechendes Ermittlungsverfahren ist eingestellt worden.

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