Schwere Zerstörungen
Hunderte Tote bei Erdbeben in Mexiko

Zwei Stunden nach einem großen Probealarm wird aus der Übung eine Katastrophe. Mexicos Hauptstadt wurde von einem starken Erdbeben getroffen. Knapp 250 Menschen sind tot. Die Bevölkerung zeigt sich solidarisch.
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Mexiko-StadtUm 11 Uhr morgens am Dienstag rannte ganz Mexiko-Stadt auf die Straße. Zum 32. Jahrestag des verheerenden Erdbebens von 1985 hatte die Regierung der Metropole zu einer Erdbebenübung gerufen. Die Sirenen heulten einige Minuten, und die Menschen bewegten sich geordnet mit gelangweilten und ernsten Gesichtern an die vorgesehenen Sicherheitsstellen. Nach wenigen Minuten war alles vorbei.

Gut zwei Stunden später wurde aus der Übung bitterer Ernst. Und nichts war mehr geordnet. Um 13.15 Uhr schlug der Alarm erneut in Mexiko-Stadt an, dieses Mal aber war es keine Übung. Die Erde begann sich in Wellen zu bewegen, die Gebäude schwankten wie Bäume in Wind. Scheiben barsten, die Menschen liefen auf die Straßen, Panik stand ihnen in den Gesichtern. Die Zivilschutzbehörde meldete am Mittwoch, dass mindestens 248 Menschen ums Leben gekommen seien. Die meisten Opfer gab es in der Hauptstadt.

Das Beben hatte laut dem Erdbebeninstitut USGS eine Stärke von 7,1. Mexikanische Seismologen sprachen von einem Beben der Stärke 6,8. Das Epizentrum lag bei Axochiapan im Bundestaat Puebla, rund 120 Kilometer südöstlich von Mexiko-Stadt. Erst am 7. September waren bei einem Beben der Stärke 8,2 rund 100 Menschen im Süden des Landes ums Leben gekommen. Das Zentrum des Bebens lag im Pazifik und war in Mexiko-Stadt deutlich weniger stark zu spüren. Im Anschluss gab es über tausend Nachbeben.

Die Viertel Roma, Condesa, Coapa und Doctores in Mexiko-Stadt wurden am härtesten getroffen. Dort allein stürzten rund ein Dutzend Gebäude ein. In der Hauptstadt fielen nach Angaben der Behörden vom Abend 44 Häuser in sich zusammen, unter 29 von ihnen wurden noch Menschen vermutet. Auch eine Grundschule mit angeschlossenem Kindergarten stürzte ein, dabei starben mindestens acht Kinder und eine Lehrerin. Elf Kinder werden lokalen Medienberichten zufolge noch vermisst. „Wir können keine Maschinen einsetzen", sagte Innenminister Miguel Ángel Osorio Chong.

Sofort nach dem Beben funktionierte die Bebenroutine hervorragend. Polizei, Militär und Feuerwehr rückten aus, Rettungskräfte begaben sich umgehend zu den eingestürzten Gebäuden. Die Menschen halfen mit Wasser, Verbandszeug, Medikamenten und Desinfektionsmitten sowie Räumgerät aus. Seit dem Beben von 1985, bei dem mehr als 10.000 Menschen starben, sind die Bewohner der Hauptstadt für Erdbeben sensibilisiert. In derartigen Katastrophenfällen zeigen sich die Hauptstadtbewohner sehr solidarisch.

Das Telefonnetz brach über mehrere Stunden zusammen, auch das Internet fiel komplett aus. Nach Angaben des Elektrizitätsunternehmens CFE waren mindestens 3,8 Millionen Menschen in der Hauptstadt ohne Strom. Gegen 19.30 Uhr Ortszeit fielen große Teile der Stadt in vollständige Dunkelheit. Die Rettungskräfte in den Stadtteilen Roma und Condesa suchten Lampen bei Anwohnern, um mit den Rettungs- und Bergungsarbeiten fortfahren zu können. Die ganze Nacht über suchten die Helfer anschließend unter Hochdruck in den Trümmern nach Überlebenden. Die Behörden warnten die Bewohner vor geborstenen Gasleitungen und forderten sie auf, wegen der Explosionsgefahr nicht zu rauchen. Aus anderen Städten wie Cuernavaca, nahe von Mexico City, und dem Bundesstaat Puebla nahe des Epizentrums wurden schwere Schäden und eingestürzte Gebäude gemeldet.

Mexikos Präsident Enrique Peña Nieto berief den nationalen Krisenrat ein und ordnete die Evakuierung mehrerer beschädigter Krankenhäuser an. Patienten müssten in andere Hospitäler verlegt werden, sagte er. Die Regierung rief die Bevölkerung auf, ihre Häuser zu verlassen. Der Flugverkehr am Airport in Mexiko-Stadt wurde für Stunden ausgesetzt.

Das nordamerikanische Land befindet sich in einer der weltweit aktivsten Erdbebenzonen: Ein großer Teil Mexikos liegt auf der sich stetig bewegenden nordamerikanischen Erdplatte. Unter diese schiebt sich langsam die Cocosplatte. Das führt immer wieder zu Erschütterungen vor allem an der Südküste des Pazifiks.

Klaus Ehringfeld
Klaus Ehringfeld
Handelsblatt / Korrespondent

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