Seekrankheit
Alles im grünen Bereich

Wie Körper und See auf einer Wellenlänge bleiben, damit die Schifffahrt zum Vergnügen wird.

HB MÜLHEIM. Als der amerikanische Autor David Foster Wallace 1995 das erste Mal an Bord des Luxus-Liners „Zenith“ eine Kreuzfahrt durch die Karibik wagte, machte er beim Abendessen eine absonderliche Entdeckung. Beleibte Herren, die sich tagsüber noch lachend beim Ententanz vergnügten, saßen plötzlich bleichgesichtig auf ihren Stühlen, starrten apathisch auf den schwankenden Horizont und durchliefen in Sekunden eine geradezu extraterrestrische Verwandlung. Sie wurden grün!

„Obwohl es eher ein gespenstisches Grün ist. Ein blässliches, hässliches Krötenschluckergrün, welches dem seekranken Menschen, insbesondere in Kombination mit großer Abendgarderobe, leicht etwas Leichenhaftes verleiht“, notierte Foster Wallace später schaudernd in sein Reisetagebuch – und verließ im nächsten Hafen kurzerhand das Schiff. Die Begegnung mit der Seekrankheit hatte ihm den Appetit auf die weitere Seereise gründlich verdorben.

„Es ist nur ein Bewegungsschwindel“, erklärt Gerhard Foohs, Schiffsarzt auf der MS Europa – und begegnet dem aufmuckenden Aufrührer radikal mit Pflastern und Pillen aus dem Bord-Hospital.

Jean-Marie Zimmermann, Chefkoch des Luxus-Liners Queen Mary II, hält eine andere Taktik bereit. „Man kann gegen die Seekrankheit ankochen“, behauptet er genussvoll. Und vertraut in seiner Küche alleine auf Mutter Natur.

Gewürze und die richtigen Zutaten spielten bei der Bekämpfung des Übels schon immer eine große Rolle. Das belegt der Küchenprofi mit einigen Rezepten aus der Geschichte: „Der Arzt Paulos von Aegina aus Byzanz empfahl ein Linsengericht mit frischer Minze und verdünnte es mit einem leichten Wein. Die Portugiesen dagegen vertrauten dem Cayenne-Pfeffer und heizten Speisen und Gedärme damit kräftig an.“

Alles nicht schlecht, meint Zimmermann. Dennoch hätten die Briten wohl das beste Mittel gegen die Seekrankheit gefunden. „Ingwer! Der beruhigt den Magen und regt den Appetit wieder an.“

Das Vereinigte Königreich schwor so auf die heilende Wirkung der Wurzelknolle, dass ihre kulinarische Eigenart bis heute Anhänger findet. „Ob Gingerbread, Gingerwine, Gingerkeks oder Gingerale – der Ingwer ist immer mit dabei“, sagt der Schiffskoch lachend.

An stürmischen Tagen serviert er aber asiatische Gerichte: frisches, vitaminreiches Gemüse, das er im Wok kräftig mit der Ingwer-Wurzel würzt. „Zusätzlich bieten wir leichte Kost wie Blattsalate, Suppen und Geflügelfleischvariationen an. Das zaubert das flaue Gefühl aus dem Bauch“, beruhigt Zimmermann.

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