Seeverkehr
Schiff vor Nordfrankreich spurlos verschwunden

Vor der nordfranzösischen Küste ist ein finnisches Frachtschiff spurlos verschwunden. Die britische Küstenwache befürchtet nun, dass das Schiff von Piraten entführt worden sein könnte. Experten können sich allerdings nicht erklären, wie das trotz des regen Verkehrs unbemerkt bleiben konnte.

HB LONDON. Den letzten Funkkontakt zur "Arctic Sea", die unter maltesischer Flagge für eine finnische Rederei eine Ladung Holz nach Algerien bringen sollte, hatte die Küstenwache am 28. Juli. Damals durchquerte die "Arctic Sea" die Straße von Dover. Zwei Tage später wurde das Schiff zum letzten Mal vor der nordfranzösischen Küste geortet, seither fehlt von dem Frachter jede Spur. Bereits auf der ersten Strecke seiner Fahrt soll das Schiff in der Ostsee vorübergehend gekapert worden sein. Zum Verschwinden des Frachters wollte sich die Reederei nicht äußern.

Inzwischen beteiligt sich auch die russische Marine an der Suche nach dem 4000-Tonnen-Schiff, dessen Besatzung aus 15 russischen Seeleuten besteht. Russlands Präsident Dmitri Medwedew befahl am Mittwoch dem Verteidigungsministerium in Moskau, "alle notwendigen Maßnahmen" zum Auffinden und notfalls zur Befreiung des Schiffs zu unternehmen.

Nach Angaben der Reederei hatten maskierte und bewaffnete Männer den Frachter am 24. Juli in der Ostsee für zwölf Stunden in ihre Gewalt gebracht, das Schiff anschließend aber wieder verlassen. Den Männern war es gelungen, an Bord zu kommen, weil sie sich als Drogenfahnder ausgegeben hatten.

Die britische Küstenwache steht vor einem Rätsel. "Das Schiff nahm am 28. Juli Kontakt zur Küstenwache von Dover auf. Das war des letzte Mal, dass jemand etwas vom Schiff hörte", sagte Mark Clark. "Damals erschien nichts verdächtig. Es kann aber gut sein, dass ein Mitglied der Besatzung bei dem Kontakt von einem Entführer eine Waffe an den Kopf gehalten bekam. Wer weiß das schon?"

Zwar soll das Schiff noch einmal vor der Küste Portugals gesichtet worden sein, allerdings konnte die Identität nicht zweifelsfrei geklärt werden. Und nach Angaben der spanischen Behörden wurde die "Arctic Sea" nicht in der Straße von Gibraltar gesichtet, obwohl das Schiff diese Meerenge hätten passieren müssen, um am 4. August wie geplant seinen algerischen Zielhafen zu erreichen.

Kritik kam von der Seefahrergewerkschaft Nautilus International. "Es ist erschreckend, dass im 21. Jahrhundert Entführer offensichtlich ein Schiff in ihre Gewalt bringen und die weltweit am meisten befahrene Schiffsroute durchqueren können, ohne dass Alarm geschlagen wird oder ein Kriegsschiff einschreitet", sagte Generalsekretär Mark Dickinson.

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