Seitensprünge
Affären – die Lust am Untergang

Männer sind die Jäger und Sammler und wollen ihre Eroberung stets trophäenartig präsentieren – vor allem wenn es sich um eine Affäre handelt. Warum sie das Fremdgehen nicht lassen können, was sie sehnlichst beachten sollten – und wie sie doch ins Verderben stürzen.

BERLIN. Wenn etwas unsere Zivilgesellschaft zusammenhält, dann ist es die Affäre. Ohne Liebesaffären würden die riesigsten Bibliotheken zu übersichtlichen Billy-Regalen schrumpfen und Filmarchive zu öden Dokumentarbeständen verkommen.

Schriftsteller müssten sich auf Kriegsromane oder Bilderbücher beschränken und Schriftstellerinnen auf Kinder und Küche. Opernhäuser müssten schließen. Hätten wir die Liebesaffären nicht, dann müssten die meisten Kriminalisten Knöllchen rollen und Detektive ebenso in den Privatkonkurs gehen wie Scheidungsanwälte. „Bunte“ und „Gala“ wären Vierteljahreshefte für Blumenfreunde.

Der Dekalog des Moses würde auf höchstens acht Gebote zusammenschnurren – eine Ziffer, die zahlenmythologisch betrachtet nicht eben viel hermacht.

Französische Präsidenten wären ohne sie noch langweiliger, als sie sowieso schon sind, und worüber sollten britische Minister dann noch stolpern? Bill Clinton hätte seine Zigarre rauchen müssen, und Willy Brandt wäre, ähnlich wie Rudolf Scharping, um einen Mythos ärmer.

Es ist also dringend Zeit für eine Gutmachung der Affäre, aber auch für ein Praxismanual zum Affären-Management, zur Ökonomie gewissermaßen der „Gefährlichen Liebschaft“ (Choderlos de Laclos). Leidenschaftliche Verstrickungen sind an Fallstricken überreich.

Also Marktforschung, wie es eventuell zu einer Affäre kommt.

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