Selbstmord der Brittany Maynard
Ein junges Gesicht in der Debatte um Sterbehilfe

Die todkranke Brittany Maynard hat ihren Freitod am 1. November öffentlich inszeniert. Und eine gewaltige Resonanz in den öffentlichen Netzwerken erlebt. Durch sie steigt die Akzeptanz für Sterbehilfe – auch hierzulande.
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DüsseldorfIhr Abschied hat Millionen auf der ganzen Welt gerührt und berührt. Brittany Maynard, todkrank wegen eines Gehirntumors, hat ihre letzten Tage so gestaltet wie sie wollte und dann am 1. November eine Dosis Gift genommen. Die junge Frau, die 29 Jahre alt wurde, hatte sich zuvor in den USA vehement für Sterbehilfe eingesetzt.

Das Thema wird nicht nur in Amerika seit Jahrzehnten kontrovers diskutiert, sondern neuerdings auch wieder in Deutschland. Großes Aufsehen erregte vor kurzem der Freitod des Ex-MDR-Intendanten Udo Reiter. Dessen Abschiedsbrief verlas Talkmaster Günther Jauch in seiner Show am Sonntagabend und erreichte damit ein Publikum von mehr als vier Millionen Menschen.

Selbst die Kanzlerin Angela Merkel kann sich dem Sog der Debatte nicht mehr entziehen. Am Reformationstag vergangenen Freitag tastete sich die Kanzlerin in der Maria-Magdalenen-Kirch in Templin, wo sie als Mädchen 1970 konfirmiert wurde, an das Thema heran. Wie ernst hat CDU-Vorsitzende wohl das „C“ (für Christlich) in ihrer Arbeit genommen? Dabei kam sie auch am Thema Sterbehilfe nicht vorbei. Und zeigte sich als Zweifelnde.

Sie wolle zu Beginn und Ende des Lebens, also bei künstlicher Befruchtung und Sterbehilfe, eher keine Liberalisierung, sagte sie. Jeder müsse hier für sich die Grenzen ziehen, notfalls aber andere Mehrheiten akzeptieren. Die mit dem Glauben verbundene Freiheit heiße eben auch, immer wieder neu entscheiden zu können – und zu müssen.

Merkel weiß: Der Tag der Entscheidung wird auf die Politiker schneller als gedacht zukommen. Denn schon in der kommenden Woche, am 13. November, will der Bundestag über das Thema Sterbehilfe debattieren. Die Meinungen gehen dabei so weit auseinander, wie bei kaum einem anderen Thema. Und das quer durch alle politischen Lager.

So berichtete die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ Mitte Oktober, dass eine Gruppe von Abgeordneten die Sterbehilfe unter bestimmten Bedingungen zulassen will. Bisher ist die Beihilfe zur Selbsttötung zwar nicht strafbar. Allerdings untersagen einige Ärztekammern jede Hilfe für Menschen, die ihr Leben selbst beenden wollen. Manche Politiker wollen dagegen ein möglichst umfassendes Verbot der Sterbehilfe durchsetzen, andere dagegen nur die organisierte Hilfe.

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Ein junges Gesicht in der Debatte um Sterbehilfe

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Werden die Gesetze geändert?

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Dürfen Ärzte Gift ausgeben?

Kommentare zu " Selbstmord der Brittany Maynard: Ein junges Gesicht in der Debatte um Sterbehilfe"

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  • "Manche Politiker wollen dagegen ein möglichst umfassendes Verbot der Sterbehilfe durchsetzen,..."
    Gibt es ueberhaupt noch irgend ein Thema bei dem die Polti-Kasper nicht das Leben und Sterben der Buerger bis ins letzte Detail reglementieren wollen?
    Wie waere es jedem solche Entscheidung selbst zu ueberlasssen? Wer gegen Sterbehilfe, Abtreibung, Schwulenehe, usw ist dem seht es ja frei entsprechend zu handeln.

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