Serienmörder umstellt
Polizei erhöht Druck auf Attentäter

Die französische Polizei versucht Mohammed Merah zur Aufgabe zu zwingen. Am späten Mittwochabend waren nahe der Wohnung des mutmaßlichen Attentäters Explosionen zu hören.

ToulouseNach Explosionen nahe dem Haus des mutmaßlichen Todesschützen von Toulouse hat das französische Innenministerium einen weiteren Zugriffsversuch der Polizei zunächst nicht bestätigt. Aus Kreisen des Ministeriums verlautete in der Nacht zum Donnerstag, der Verdächtige habe sich nicht an seine vorherige Ankündigung gehalten, sich zu ergeben.

Die Polizei habe daraufhin die Fensterläden vor einem Fenster seines Hauses gesprengt, um ihn unter Druck zu setzen, sich doch noch zu stellen. Vor dem Haus des Verdächtigen waren am späten Mittwochabend drei Explosion zu hören. Zeitgleich zu jeder Detonation waren orangene Lichtblitze zu sehen.

Die Polizei hatte das Gebäude seit dem frühen Morgen umstellt und sich einen stundenlangen Nervenkrieg mit dem Verdächtigen geliefert. Bei einem ersten Zugriffsversuch waren drei Beamte verletzt worden. Mohammed Merah bekannte sich laut Staatsanwaltschaft zu den drei Angriffen, bei denen in den vergangenen Tagen in Toulouse und Montauban sieben Menschen getötet wurden, darunter drei jüdische Kinder.

Frankreich will den mutmaßlichen Attentäter von Toulouse lebend ergreifen, um ihn vor Gericht stellen zu können. „Wir wollen ihn lebend gefangen nehmen, um ihn zur Rechenschaft zu ziehen. Wir wollen seine Beweggründe erfahren und hoffentlich herausbekommen, wer seine Komplizen sind, falls es welche gibt“, sagte Verteidigungsminister Gerard Longuet am Mittwochabend dem TV-Sender TF1.

Auch Innenministers Claude Guéant hatte am Mittwochabend gesagt, der Attentäter solle nach Möglichkeit „lebendig“ gefasst werden, damit er „verurteilt werden“ könne. Der 23-jährige mutmaßliche hatte Polizeibeamten zuvor gesagt, er wolle „zum Ende des Abends“ aufgeben. In dem Stadtviertel von Toulouse wurde gegen 21.00 Uhr die Straßenbeleuchtung gelöscht.

Dem französischen Geheimdienst war der Mann schon länger bekannt: Bereits im vergangenen November wurde er wegen seiner Aufenthalte in Pakistan und Afghanistan vernommen, wie Innenminister Claude Guéant am Abend erklärte.

Merah hat bereits zugegeben, dass er am Mittwoch einen Anschlag gegen einen weiteren Soldaten geplant habe. Zudem habe Mohamed Merah zwei Polizisten erschießen wollen, sagte der zuständige leitende Staatsanwalt François Molins am Mittwoch in Toulouse. Er habe im Gespräch mit Polizisten bedauert, bisher nicht noch mehr Menschen getötet zu haben. Der Mann hat drei Soldaten sowie vor einer jüdischen Schule einen Lehrer sowie drei Kinder erschossen. Merah habe sich gerühmt, Frankreich auf die Knie gezwungen zu haben, sagte Molins.

Die Elitepolizisten hätten am Mittwoch mehrere Male vergeblich versucht, in Merahs Wohnung einzudringen, in der er sich verschanzt hat. Jedes Mal seien die Polizisten mit Schüssen aus schweren Waffen zurückgedrängt worden. Ein Beamter habe einen Knieschuss erlitten, einen zweiten Polizisten habe die schusssichere Westen vor schweren Verletzungen bewahrt. Nach einer Analyse der bisherigen Erkenntnisse hätten sich die Sicherheitskräfte am Vorabend zu dem sofortigen Einsatz gegen den Mann entschlossen.

Von islamistischen Selbstmord-Aktionen hält der mutmaßliche Serien-Attentäter offenbar nichts. Der Mann habe gesagt, „dass er keine Märtyrer-Seele hat, er zieht es vor zu töten und selbst am Leben zu bleiben“, sagte der Staatsanwalt von Paris, François Molins, am Mittwoch in der südfranzösischen Stadt.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft steht ein Elitepolizist in Kontakt mit dem algerischstämmigen Mann, der am Morgen gesagt hatte, er sei Mitglied des islamistischen Terrornetzwerks Al-Kaida. Der mutmaßliche Serien-Attentäter zeige „keinerlei Reue“.

Staatsanwalt Molins bestätigte, dass Merah in Afghanistan und in Pakistan war, dass er aber „ein untypisches Profil salafistischer Selbstradikalisierung“ aufweise. Er sei mit eigenen Mitteln und nicht über die bekannten Netzwerke nach Afghanistan gekommen. Der Mann habe auch behauptet, von Al-Kaida in Waziristan im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet ausgebildet worden zu sein.

Bei einer Straßenkontrolle sei er von der afghanischen Polizei festgenommen und an die US-Truppen übergeben worden, die ihn zurück nach Frankreich geschickt hätten, sagte der Staatsanwalt weiter. Von Mitte August bis Mitte Oktober 2011 sei er in Pakistan gewesen. Bisher gebe es keine Hinweise, dass er einer bestimmten Organisation angehöre. Sein Bruder Abdelkader, der in Polizeigewahrsam genommen wurde, war demnach vor einigen Jahren in ein Netzwerk für islamistische Kämpfer für den Irak involviert.

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