Seuche auf dem Vormarsch
Vogelgrippe-Virus H5N1 nun auch in Frankreich

Erst Rumänien, dann Großbritannien und Kroation, jetzt Frankreich: Auf der Insel Réunion wurde der Verdacht auf Vogelgrippe bei drei Menschen gemeldet. Die EU will nun sämtliche Geflügelmärkte verbieten. Der Absatz an Geflügelprodukten ist deutlich zurück gegangen.

HB PARIS/BRÜSSEL. Drei Franzosen hätten in Thailand einen Vogelpark besucht und seien auf der französischen Übersee-Insel Réunion positiv auf das H5N1- Virus getestet worden, teilte die Präfektur der Insel im Indischen Ozean am Mittwoch mit. Weitere Proben seien nach Paris geschickt worden. Da das Virus nicht von Mensch zu Mensch übertragbar sei, seien keine Sicherheitsmaßnahmen nötig. Derweil will die Europäische Union wegen der Vogelgrippe alle Geflügelmärkte und -ausstellungen verbieten. Es seien nur streng reglementierte Ausnahmen möglich, sagte Staatssekretär Alexander Müller in Berlin mit Verweis auf die EU-Kommission.

In Kroatien wurde unterdessen der auch für Menschen gefährliche Subtyp H5N1 bestätigt. Dort war das Virus bei sechs toten Schwänen in einem Teich 200 Kilometer östlich der Hauptstadt Zagreb entdeckt worden. In Großbritannien wurden durch Nachuntersuchungen erneut H5- Viren bei gestorbenen Wildvögeln in Quarantäne-Stationen entdeckt, jedoch noch kein genauer Subtyp bestimmt. Beim Vogelgrippe-Verdacht im rheinland- pfälzischen Neuwied gab es dagegen endgültig Entwarnung. Alle in einem Baggersee entdeckten Graugänse waren nach Behördenangaben an Rattengift gestorben.

Auf der internationalen Vogelgrippe-Konferenz im kanadischen Ottawa konnten sich die mehr als 30 Teilnehmerstaaten derweil nicht auf ein gemeinsames Vorgehen gegen eine mögliche Grippepandemie unter Menschen einigen. Es gab keine Verständigung über die Abgabe von Grippemedikamenten an ärmere Länder oder die Lockerung der Patente für Impfstoffe und das Grippemittel Tamiflu. Mehrere Teilnehmer hatten gefordert, dass die Industriestaaten zwischen fünf und zehn Prozent ihrer Grippemedikamente an Entwicklungsländer abgeben.

Die EU-Kommission warnte vor übertriebener Angst: Die Lebensmittelkontrollen seien so streng, dass derzeit nicht einmal von dem Verzehr roher Eiern wegen der Vogelgrippe abgeraten werde. Darüber hinaus gebe es keinerlei Beweis dafür, dass Menschen nach dem Verzehr infizierten Geflügelfleischs erkrankt seien, sofern dieses „gut gekocht oder gebraten“ gewesen sei. Ein EU-Sprecher verwies darauf, dass die Einfuhr von Vögeln, Geflügel und Geflügelfleisch auch aus Kroatien bereits seit Montag verboten sei.

Deutschland werde die neuen Ergänzungsmaßnahmen der EU- Eilverordnung schnell umsetzen, sagte Verbraucherstaatssekretär Müller. Dazu gehöre neben dem generellen Verbot von Vogel- Ausstellungen auch das Verbot, bei der Jagd Lockvögel wie Enten einzusetzen. Zudem sollten die heimischen Tiere nicht länger an Seen und Teichen getränkt werden, sondern mit Leitungswasser. Wildvögel legten ihren Kot gerne in „Oberflächenwasser“ und könnten so möglicherweise andere Vögel infizieren.

Wildvögel sind laut Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) häufig mit gering krankmachenden Vogelgrippe-Viren infiziert. Rund 3 bis 15 Prozent der Wildvögel an der deutschen Ost- und Nordseeküste seien Träger dieser Erreger, sagte FLI-Sprecherin Elke Reinking mit Verweis auf Untersuchungen des Riemser Instituts.

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