Sex-Handel in Schweden
„Polizei-Arbeit gegen Prostitution ist ein Witz“

Schweden war eines der ersten Länder, das gekauften Sex unter Strafe stellte. Doch die Umsetzung des Gesetzes sei „ein Witz“, sagt der stellvertretende Chef der Grenzpolizei in Malmö. Ist das Modell gescheitert?
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StockholmLeif Fransson, stellvertretender Chef der Grenzpolizei in Malmö, klang resigniert. Wer will, kann in der südschwedischen Großstadt sexuelle Dienste kaufen. In Rita Knobels ZDFzoom-Doku „Deutschland und der gekaufte Sex“, die jüngst im ZDF ausgestrahlt wurde, lässt Fransson seinem Frust freien Lauf. Das seit 1999 geltende Gesetz, das den Sexkauf verbietet, sei gescheitert, so der Polizist.

Tatsächlich war Schweden eines der ersten Länder weltweit, das den Sexkauf unter Strafe stellte. Wobei zwischen Sex-Käufer und –Verkäufer unterschieden wird: Freier können mit bis zu sechs Monaten Gefängnis belangt werden.

Die Frauen, die ihre sexuellen Dienste anbieten, bleiben hingegen straffrei. Von Frauenrechtlerinnen in vielen Ländern als Modell gefeiert, ist vor Ort in Schweden allmählich Ernüchterung eingekehrt, was die Wirksamkeit des Anti-Prostitutionsgesetzes angeht.

„Die Polizei-Arbeit gegen die Prostitution ist ein Witz“, erklärte Fransson im vergangenen Jahr schon gegenüber der Zeitung „Sydsvenskan“. Und auch der stellvertretende Polizeichef von Malmö, Patrik Johansson, stimmt zu. „Das ist nichts, was wir priorisieren“.

Die Gründe dafür sind einfach: Es gibt zu wenig Personal, und der Sexhandel ist von der Straße ins Internet gewandert. Das macht die Fahndung deutlich schwieriger. Tatsächlich sieht man in der Hauptstadt Stockholm kaum noch Prostituierte auf der Straße.

Dagegen boomt der Sexhandel im Internet: Ein paar Klicks und der Freier wird fündig. Ob Massagedienste oder auch ganz offene Prostitutionsangebote – die Seiten zwielichtiger Betreiber lassen keine Wünsche offen. Die Polizei steht dem machtlos gegenüber.

In der Millionenmetropole Stockholm sind gerade einmal vier Polizisten für den Kampf gegen Menschenhandel und Prostitution abgestellt. In Malmö und Göteborg sind es noch weniger. Deshalb ist es verständlich, wenn der stellvertretende Malmöer Polizeichef von „einem Witz“ spricht.

Vertreter der Polizei bemängeln auch, dass die Kontrolle der Prostitution seit der strengen Gesetzgebung im Prinzip nicht mehr funktioniert. Der Sexhandel ist in Privatwohnungen und Hotels ausgewichen, Orte, die nur teilweise von der Polizei kontrolliert werden können.

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Freier wandern selten ins Gefängnis

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  • @Sandra Maier: Sie stellen Behauptungen auf, liefern aber keine Quellen. Wie wollen Sie den Sexarbeiter/-innen eigentlich vermitteln, dass sie von Ihnen entmündigt und arbeitslos gemacht werden sollen?

  • @ Unbekannt: Dann stellen Sie sich eine ojektive Zahl vor wenn Sie sich vorstellen aus Armut heraus ein Dutzend Männer/Frauen am Tag für ein Hungerlohn sexuell bedienen zu müssen. "You can imagine the opposite" (Maurizio Nannucci)

  • Tatsache ist, dass es bis heute keine gesicherten Zahlen (objektiv erworben!) über die Anzahl der Zwangsprostituierten gibt. Diese bleiben die Prostitutionsgegner schuldig. Stattdessen wird die Wirklichkeit verzerrt wiedergegeben. Die eigenen Moralvorstellungen soll der Bevölkerung anerzogen werden. Man stellt sich die Frage, mit welchem Recht man zwei erwachsenen Menschen verbieten will, dass sie für Geld miteinander verkehren.

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