Sex-Streit in Rio
Brasilien: Millionen feiern Karnevalsstart

In den Städten Brasiliens sind zum Karnevalsstart Millionen auf die Straßen gegangen. In Rio de Janeiro tobt ein heftiger Streit um Pornografie und gute Sitten. Das droht die Vorfreude auf die Samba-Umzüge zu trüben.

HB RIO DE JANEIRO. Die größte Feier gab es am Samstag in Recife im nordöstlichen Land Pernambuco. Mehr als eine Million „Narren“ tanzten und sangen zu Rhythmen der regionstypischen Frevo-Musik. Laut Guinness-Buch der Rekorde ist der Umzug des Karnevalsclubs „Galo de Madrugada“ (Hahn des Morgengrauens) der größte Straßenkarneval der Welt.

In Rio de Janeiro fieberten Mill. inzwischen dem Start des zweitägigen Umzugs in der Nacht zum Montag entgegen, der so genannten „größten Party der Welt“. Offiziell begann der Karneval in der Zuckerhutmetropole bereits am Freitag mit der Übergabe der Stadtschlüssel durch den Vizebürgermeister an den diesjährigen Karnevalskönig Wagner Jorge Wanderson. Er ist übrigens der erste „Rei Momo“, der - entgegen der Tradition und auf Grund von Ärzteempfehlungen - nicht stark übergewichtig ist.

Der Umzug im Samba-Stadion von Rio steht in diesem Jahr im Zeichen eines großen Streits. Die Justizbehörden verboten den Auftritt von Allegorie-Wagen, auf denen die Gruppe „Grande Rio“ in der ersten Nacht Sex-Szenen zeigen wollte. „Eine ungerechtfertigte Zensur!“ schimpfte nicht nur der zuständige Künstler Joaosinho Trinta. Es gab auch Protest von anderen Künstlern, Medien und Politikern, und sogar ein örtlicher UN-Vertreter erklärte sich mit Trinta solidarisch.

Zankapfel sind riesengroße Gipspuppen, mit denen Stellungen der indischen Liebeskunst Kamasutra und die Paarung von Adam und Eva nachgestellt werden. Als „unanständig und inakzeptabel“ hatte auch Rios Erzbischof Eusebio Scheid die Figuren kritisiert.

Obwohl ein Jugendrichter inzwischen mit einem vorläufigen Urteil wieder „grünes Licht“ für die Figuren gab, klagte Trinta: „Wir haben alles mit Schleiern verdeckt. Es ist keine Zeit mehr, um das zu ändern“. „Grande Rio“ wird unter dem Motto „Lass uns das Hemdchen anziehen, mein Liebchen“ den Gebrauch von Kondomen zum Leitmotiv der Parade machen.

Hunderttausende gingen am Samstag auch in Salvador im Land Bahia, der „afrikanischsten Stadt Brasiliens“, auf die Straßen. Der Umzug im Sambastadion der Wirtschafts-Metropole Sao Paulo wurde am Samstag von einem Unfall überschattet. Fünf Parade-Teilnehmer wurden verletzt, als ein großer Lautsprecher auf einen Wagen fiel.

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