Sexuelle Belästigung in Hollywood
Der Weinstein-Skandal zieht Kreise

Ermittler in den USA und London melden eine wachsende Zahl von Anzeigen wegen sexueller Übergriffe. In vielen Fällen taucht der Name des US-Filmproduzenten Harvey Weinstein auf. Doch auch andere Promis stehen am Pranger.
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Los AngelesLos Angeles, New York, London: Bei der Polizei in den drei Metropolen häufen sich die Anzeigen wegen sexueller Übergriffe mächtiger Promis. In vielen Fällen ziehen sich Fäden zum Weinstein-Skandal, der vor zwei Monaten ans Licht kam. Dutzende Frauen haben den US-Filmproduzenten Harvey Weinstein der sexuellen Belästigung, Nötigung oder gar Vergewaltigung bezichtigt.

Der Medienmogul bestreitet nach Angaben seiner Anwälte jegliche nicht einvernehmliche Kontakte. Wo der 65-Jährige sich derzeit aufhält, ist unbekannt. Der Skandal zieht jedoch Kreise, bei den Behörden laufen nach deren Angaben zig Beschwerden ein, gegen Weinstein, aber auch gegen andere berühmte Männer.

„Es ist ein internationales Phänomen“, sagt der New Yorker Ermittler Robert Boyce auf die Weinstein-Untersuchungen angesprochen. Dabei sei Fingerspitzengefühl gefragt im Umgang mit allen Beteiligten. „Diese Damen wurden sexuell angegriffen, belästigt, und ihnen wurde psychischer Schaden zugefügt.“

In Los Angeles meldet die Polizei 27 Ermittlungen gegen Personen aus dem Promi-Milieu, nachdem Frauen und Männer sich an die Sicherheitskräfte gewandt haben. Neben Weinstein werden etwa auch die Namen des Schauspielers Ed Westwick und des Agenten Tyler Grasham genannt. An das LA Police Department gingen mehr als 30 Beschwerden aus anderen Teilen der USA und aus dem Ausland, die die Ermittler der Filmmetropole wiederum an die zuständigen Kollegen überwiesen. Die Polizei in Beverly Hills geht etwa einem Dutzend Fälle nach, in der ihr sexuelle Übergriffe seitens Prominenter gemeldet wurden.

In London zeigten zuletzt neun Personen solche Taten an. Und auf der anderen Seite der USA, in New York, erhielten die Ermittler mehr als ein Dutzend Beschwerden. In den meisten Fällen gebe es Verbindungen zu Weinstein, heißt es.

In den Medien haben mehr als 70 Frauen Vorwürfe gegen den Filmproduzenten erhoben, nicht alle aber sind zur Polizei gegangen. Das Spektrum der Beschwerden reicht von unangemessenen Äußerungen bis hin zur Vergewaltigung.

Dazu zählt die Aussage der Schauspielerin Paz de la Herta, wonach Weinstein sie 2010 in ihrem New Yorker Apartment vergewaltigte. Sie rief den Angaben zufolge am 25. Oktober bei der dafür eingerichteten Hotline an. Bis jetzt gibt es keine Entscheidung zu möglichen rechtlichen Schritten.

Das hat die Vertreter von de la Huerta auf den Plan gerufen. „Wir haben den Fehdehandschuh für unsere Klientin geworfen“, erklärt Anwältin Carrie Goldberg. Bis zum Ende der Woche müsse etwas passieren, sonst müsse „mit Protesten gerechnet“ werden.

Nicht nur Druck der Anwälte, sondern auch der Medien und der Öffentlichkeit sind zusätzliche Herausforderungen für die Ermittler im Promi-Milieu. Ansonsten aber ist das Vorgehen so wie bei all den Fällen, in die keine aus Film und Fernsehen bekannten Persönlichkeiten verwickelt sind: Private und geschäftliche Aufzeichnungen werden untersucht, Telefonlisten und Termine, die Aufenthaltsorte und Tätigkeiten von Opfer und mutmaßlichem Täter werden abgeglichen.

Je länger die angezeigte Tat zurückliegt, desto schwieriger die Arbeit der Ermittler. So manches Mal greift bereits die Verjährungsfrist, bevor das Opfer es wagt, zur Polizei oder an die Öffentlichkeit zu gehen. So wie im Fall des Schauspielers Corey Feldman. Der gab an, als Kinderstar in den 1990er Jahren Opfer sexuellen Missbrauchs geworden zu sein. Die Ermittlungsbehörden in Los Angeles aber entschieden: Feldmans Anschuldigungen gegen Hollywood sind verjährt.

Agentur
ap 
Associated Press / Nachrichtenagentur

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