Sexuelle Übergriffe Weinsteins Taten wurden von der Firma offenbar geduldet

New Yorks Staatsanwalt beschuldigt die Führung der Weinstein Company, von den mutmaßlichen sexuellen Übergriffen des Filmmoguls gewusst zu haben.
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Der Filmproduzent war im Oktober von seiner Firma entlassen worden, nachdem ihm zahlreiche Frauen sexuelle Übergriffe und Einschüchterungen vorgeworfen hatten. Quelle: Reuters
Harvey Weinstein

Der Filmproduzent war im Oktober von seiner Firma entlassen worden, nachdem ihm zahlreiche Frauen sexuelle Übergriffe und Einschüchterungen vorgeworfen hatten.

(Foto: Reuters)

New YorkDie mutmaßlichen sexuellen Übergriffe des US-Filmproduzenten Harvey Weinstein sind nach Angaben der Staatsanwaltschaft in seinem früheren Unternehmen über Jahre wissentlich hingenommen und in obersten Etagen unterstützt worden. „Die Führung der Weinstein Company war mitschuldig am Verhalten Harvey Weinsteins“, sagte der New Yorker Staatsanwalt Eric Schneiderman am Montag.

Geschäftsführung und Vorstand waren laut Schneiderman nach Dutzenden Vorwürfen rechtlich dazu verpflichtet, das Verhalten zu stoppen. Untersucht wurden diese Vorwürfe ihm zufolge jedoch nie. „Sie wussten, was vor sich geht. Und sie wussten, wie verbreitet es war. Trotzdem taten sie nichts“, sagte Schneiderman.

Der New Yorker Staatsanwalt hatte am Sonntag nach vier Monate langen Ermittlungen Zivilklage gegen die Weinstein Company eingereicht und einen bevorstehenden Verkauf der Firma an eine Investorengruppe in letzter Minute verhindert. Nach Informationen des „Wall Street Journal“ wollte die Gruppe hinter Unternehmerin Maria Contreras-Sweet 500 Millionen Dollar (407 Millionen Euro) für das wankende Unternehmen zahlen.

Schneiderman sagte am Montag, ein bestehendes Kaufangebot hätte den Filmproduzenten David Glasser in Verantwortung für den Konzern gelassen, obwohl es Hinweise darauf gebe, dass dieser Weinstein nicht gestoppt hätte. Zudem habe er im Zuge der Vorwürfe nie eine offizielle Untersuchung gegen Weinstein in der Personalabteilung des Filmstudios eingeleitet.

„Jeder Kauf von Unternehmensanteilen muss erst sicherstellen, dass Opfer angemessen entschädigt werden“, so Schneiderman. Zudem müssten Mitarbeiter künftig vor vergleichbarem Verhalten geschützt werden. Das sei beim vorliegenden Angebot nicht der Fall gewesen.

Die Investoren hätten lediglich Versicherungspolicen und einen Kredit von zehn Millionen Dollar (8,1 Millionen Euro) angeboten, mit denen aber auch Anwalts- und andere Kosten hätten gedeckt werden sollen. „Wir hätten gern einen Fonds, der allein auf die Entschädigung der Opfer zielt“, sagte Schneiderman.

Im Zuge der monatelangen Ermittlungen hatte die Staatsanwaltschaft auch eine offenbar digitale Kopie von Weinsteins Personalakte erhalten. „Uns wurde gesagt, die physische Personalakte sei abhandengekommen.“ Es habe Dutzende offizielle Beschwerden und viele weitere inoffizielle Beschwerden wegen sexueller Übergriffe gegeben. Weinsteins Anwalt Ben Brafman teilte der Deutschen Presse-Agentur mit, Weinsteins Verhalten sei „nicht fehlerfrei, aber mit Sicherheit nicht kriminell“ gewesen.

Der Klageschrift zufolge ging die Mitwisserschaft bei der Weinstein Company so weit, dass Mitarbeiter des Filmmoguls damit beauftragt wurden, Frauen ihre Kleidungsstücke zukommen zu lassen, die sie nach besagten Vorfällen gelegentlich hinterließen.

Weinstein war im Oktober von seiner Firma entlassen worden. Zahlreiche Frauen haben ihm sexuelle Übergriffe und Einschüchterungen vorgeworfen, darunter Schauspielerinnen wie Salma Hayek, Ashley Judd, Gwyneth Paltrow, Angelina Jolie und Rose McGowan.

  • ap
  • dpa
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