Sicherheit an Karneval
Schunkeln unter Schulz

Als Reaktion auf die Terroranschläge in Berlin und Nizza rüsten viele deutsche Städte zu Karneval und Fasching in Sicherheitsfragen weiter auf. Die Feierlaune der Jecken soll darunter aber nicht leiden.
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KölnBeim fröhlichen Straßenkarneval müssen die Jecken dieses Jahr in vielen deutschen Städten mit verstärkten Sicherheitsmaßnahmen rechnen. Aus Angst vor Terroranschlägen werden Fahrzeugsperren, mehr Ordnungskräfte und teils schwer bewaffnete Polizisten eingesetzt. „Trotzdem möchten wir den Menschen natürlich ein fröhliches Feiern ermöglichen“, sagt Susanna Heusgen, Sprecherin der Düsseldorfer Polizei.

In der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt wie auch in Köln werden einige Straßen an den tollen Tagen mit großen Fahrzeugen, Containern und Betonblöcken abgesperrt. Auch Bonn, Essen und zahlreiche andere Städte planen Fahrzeugsperren. So soll verhindert werden, dass ein Täter einen Lastwagen in eine Menschenmenge steuert – wie bei den Anschlägen auf einen Berliner Weihnachtsmarkt und auf der Uferpromenade in Nizza geschehen.

In Düsseldorf sollen an einigen Stellen Beamte mit Maschinenpistolen bereitstehen. Es gebe zwar keine Hinweise auf eine konkrete Gefährdung, aber ein abstraktes Sicherheitsrisiko. Darauf verweisen auch die Polizei in Nürnberg und anderen bayerischen Städten vor dem Faschings-Wochenende. Züge abzusagen, sei vor diesem Hintergrund nicht nötig.

Ein mögliches Lkw-Fahrverbot für Teile der Düsseldorfer City wird nach Angaben der Stadt derzeit noch geprüft. In Köln ist dies dagegen schon beschlossene Sache: Am Karnevalssonntag und Rosenmontag dürfen Lastwagen über 7,5 Tonnen nicht in die Innenstadt fahren. Weitere Details zum Sicherheitskonzept wollen Stadt, Polizei und das Festkomitee Kölner Karneval am Donnerstag vorstellen.

Schon im vergangenen Jahr hatten viele Städte an Karneval die Sicherheitsmaßnahmen verschärft. Speziell Köln stand damals noch zusätzlich unter dem Eindruck der massenhaften sexuellen Übergriffe auf Frauen in der Silvesternacht. Allein an Weiberfastnacht waren daher in der Domstadt 2500 Polizisten auf der Straße, um ähnliche Vorfälle zu verhindern.

Die Kosten für die verstärkten Sicherheitsanforderungen stellen vor allem die Karnevalisten abseits der großen Hochburgen aber auch vor Probleme. Der Festausschuss Leverkusener Karneval zum Beispiel kalkuliert mit bis zu 5000 Euro Mehrkosten, die nun größtenteils von Sponsoren übernommen würden. „Wir müssen dieses Mal zusätzliche Straßen absperren, und die Ordner müssen länger arbeiten“, erläutert Uwe Krause vom Festausschuss.

In Hilden stand der traditionelle Rosenmontagszug sogar kurzzeitig auf der Kippe: Zusätzliches Personal und Sperren sollten mehrere Tausend Euro kosten. Erst ein Sponsor, der acht Fahrzeuge für die Absperrungen bereitstelle, habe den Zug ermöglicht.

Dass wegen der Terrorangst weniger Menschen an Karneval auf die Straße gehen werden, glaubt der Psychologe Stephan Grünewald aus jetziger Sicht nicht. „Karneval ist ein Fest des rauschhaften Vergessens. Man will sich von der Schwere befreien und in eine konsequenzlose Verwandlung eintauchen“, sagt der Mitbegründer des Rheingold-Instituts. „In schlechten Zeiten wollen die Menschen erst recht Karneval feiern.“

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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