Sieben Prozent Wachstum erreichbar
SARS bremst Chinas Wirtschaft

Der Ausbruch der lebensgefährlichen Lungenkrankheit SARS ist in China ein Schlag für die Wirtschaft. Doch die Auswirkungen sind möglicherweise nicht so schlimm wie anfangs befürchtet, als für das schwer betroffene Peking sogar Nullwachstum vorhergesagt wurde.

HB/dpa PEKING. Einer der Gründe ist das ohnehin starke Wachstum der chinesischen Wirtschaft, das Konjunkturrückschläge besser auffangen kann. Auch sind ausländische Investitionen zwar erkennbar betroffen, scheinen aber lediglich aufgeschoben, nicht aufgehoben.

Wirtschaftsexperten vergleichen den SARS-Schock mit der asiatischen Finanzkrise 1997 und sehen wenig langfristige Auswirkungen. „Wir haben keine Beweise für einen Rückgang der ausländischen Investitionen“, sagt der Chef der Europäischen Handelskammer in Peking, Ian Kay. „Es wird eher verschoben. Wir glauben nicht, dass sich die grundlegenden Daten verändert haben.“ Eine Analyse der Kammer warnt trotzdem: „Es wird jetzt immer deutlicher, dass Investitionsentscheidungen beträchtlich hinausgeschoben werden, während sich diese Krise hinzieht.“ So steht und fällt alles mit der Frage, wie lange das SARS-Virus die Wirtschaft noch lahm legen wird. Chefökonom Chen Xingdong vom Bankhaus BNP Paribas Peregrine rechnet mit den stärksten Auswirkungen im dritten Quartal, bevor sich die Wirtschaft wieder fangen dürfte.

Eine Umfrage unter 300 europäischen Firmen in China enthüllte erhebliche Beeinträchtigungen ihres Betriebes. Ihr Umsatz ging zwischen 10 und 40 Prozent zurück. Meist arbeitet die Hälfte der Beschäftigten schichtweise von zuhause aus. Auch die strengen Reisebeschränkungen „wirken sich jetzt auf das Geschäft aus“. So wird beispielsweise in Schanghai jeder Besucher aus dem schwer betroffenen Peking erstmal 14 Tage zwangsweise in Quarantäne gesteckt. Ranghohe Besuche von Vorständen oder Geschäftsführern sind vorerst gestrichen, ebenso Messen oder auch Reisen nach Taiwan oder Hongkong. Taiwans Investitionen in China sind im April um 20 Prozent im Vergleich zum Vormonat zurückgegangen. Trotz allem glauben chinesische Experten, dass die Wirtschaft der Volksrepublik in diesem Jahr noch sieben Prozent Wachstum erreichen kann.

Leere Betten in Hotels

Ohne den Ausbruch des Schweren Akuten Atemwegsyndroms (SARS) wären jedoch neun oder zehn Prozent möglich gewesen. Immerhin startete Chinas Wirtschaft mit 9,9 Prozent im ersten Quartal ins Jahr. SARS hat den Tourismus, Flugverkehr, Transport, Einzelhandel und Restaurants hart getroffen. In Peking hatte die Hälfte der 30 000 Restaurants vorübergehend geschlossen. Ähnlich schlecht geht es den Hotels, deren Betten leer sind und die reihenweise dicht machen. Beschäftigte werden mit Gehaltskürzungen nach Hause geschickt oder ganz entlassen.

Die bereits „ernste“ Lage auf dem Arbeitsmarkt habe sich durch SARS noch weiter verschärft, stellt die Regierung fest. Die Zahl der Arbeitslosen werde noch stärker als ohnehin erwartet steigen. Die Arbeitslosigkeit verschärft aber auch Deflationsgefahren. Die heimische Nachfrage, die als Motor der Wirtschaft dient, kann nicht mehr brummen wie sie soll. „Die vollen Auswirkungen von SARS sind noch nicht zu spüren“, stellte Goldman Sachs fest. Aber auch das Investmenthaus hält 7,3 Prozent Wachstum in diesem Jahr für „durchaus erreichbar“.

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