„Silk Road“
Der digitale Drogenbaron

Im Offenen ein mächtiger Mann, der gerne wandert, im Verborgenen der Gründer eines Schwarzmarkts für Drogen im Netz: Der Amerikaner Ross William Ulbricht steht vor Gericht. Er schuf wohl einen Basar für die Unterwelt.
  • 0

WashingtonRoss William Ulbricht bringt auf den ersten Blick nicht die Eigenschaften mit, die gemeinhin einem Drogenbaron zugeschrieben werden. Freunde und Familie beschreiben ihn als einfühlsam und schüchtern. In seiner Freizeit sei der schmächtige 29-Jährige gerne wandern gegangen, heißt es.

Die US-Staatsanwaltschaft zeichnet aber ein anderes Bild: Unter dem Pseudonym „Dread Pirate Roberts“ soll Ulbricht mit der Webseite Silk Road einen riesigen digitalen Schwarzmarkt für Drogen und allerlei Illegales betrieben haben. Am Freitag wird in New York die Anklage gegen ihn verlesen.

Mit Silk Road habe Ulbricht den „ausgeklügeltsten und umfangreichsten kriminellen Marktplatz im Internet“ geschaffen, erklärt Staatsanwalt Preet Bharara. Unter mehr als 13.000 Schlagwörtern wie „Cannabis“ oder „Psychodelisches“ sei die ganze Bandbreite von illegalen Rauschmitteln gehandelt worden. Ebenfalls im Angebot: Zwielichtige Dienstleistungen wie das Fälschen von Ausweisen und das Hacken von Computern.

Von der Gründung der Seite im Januar 2011 bis zu Ulbrichts Festnahme am 1. Oktober 2013 seien hunderte Millionen Dollar durch die dunklen Kanäle geflossen.

Die Beamten der Bundespolizei FBI fassten Ulbricht laut „New York Times“ in der Science-Fiction-Abteilung einer öffentlichen Bücherei in San Francisco. Der wichtigste Teil der Festnahme sei gewesen, dass der mutmaßliche Silk-Road-Gründer auf keinen Fall seinen Laptop schließt.

Beim Zugriff habe Ulbricht von dem Computer aus gerade das Drogenportal verwaltet. Hätte er den Rechner heruntergefahren, wären die Beweise hinter einer kaum zu knackenden Wand von Verschlüsselungscodes verschwunden.

„Dread Pirate Roberts“ war schwer zu greifen. Die Infrastruktur von Silk Road bestand praktisch nur aus einem Laptop und im Ausland gemieteten Servern. Die Webseite lief über ein sogenanntes Tor-Netzwerk, das die Identität der Nutzer verschleiert. Mit dem Online-Bezahlsystem Bitcoin konnten die Geldflüsse im Verborgenen gehalten werden.

Kommentare zu " „Silk Road“: Der digitale Drogenbaron"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%