Singapurs mächtige Herrscher
Familienkrach auf Facebook

Kritiker werden in dem Stadtstaat oft zu empfindlichen Strafen verurteilt. Jetzt wettert ausgerechnet die Schwester des Regierungschefs öffentlich über ihren Bruder. Der jedoch demonstriert Gelassenheit.

BangkokHeftige öffentliche Kritik hört Singapurs Ministerpräsident Lee Hsien Loong nur selten. Das liegt nicht daran, dass in dem reichen Stadtstaat alles perfekt läuft. Vielmehr braucht es für Kritik auch jede Menge Mut. Auf dem Pressefreiheits-Index der Organisation Reporter ohne Grenzen belegt Singapur nur Rang 153 – und liegt damit zwischen Russland und Libyen.

Jetzt macht ausgerechnet die Schwester des Regierungschefs ihrer Wut öffentlich Luft. Ihr Bruder „missbrauche seine Macht“, schrieb Lee Wei Ling auf ihrer Facebook-Seite. Sie kritisierte zudem die vielen Feierlichkeiten zum ersten Todestag des Vaters der beiden Geschwister, dem Staatsgründer Lee Kuan Yew. Ihr Bruder wolle wohl einen „Heroenkult“ um den Vater entfachen und eine „politische Dynastie“ aufbauen.

Der Beitrag ist mittlerweile wieder gelöscht – die Narben dürften bleiben. Zumal Schwester Lee Wei Ling nicht davor zurückschreckte, ihren Bruder auch persönlich anzugreifen. Sie werde es „nicht zulassen, dass der Name ihres Vaters durch dessen unehrenhaften Sohn befleckt wird“, teilt die Schwester aus, die in Singapur eine angesehene Neurochirurgin und Autorin ist.

Medienberichten zufolge veröffentlichte sie auch einen Briefwechsel mit der Zeitung „The Straits Times“, die einen Beitrag von Lee Wei Ling nicht in der von ihr eingereichten Form drucken wollte. Die Zeitung beruft sich dabei auf handwerkliche Mängel und weist Zensurvorwürfe von sich.

Regierungschef Lee Hsien Loong wollte die Anschuldigungen seiner Schwester nicht unkommentiert lassen. Er antwortet mit staatsmännischer Besonnenheit. Er sei „tief traurig“ über die Angriffe, halte sie allerdings für „vollkommen falsch“, schrieb der Regierungschef ebenfalls auf Facebook.

Er wolle keineswegs eine politische Dynastie etablieren. „Das Leistungsprinzip sei ein fundamentaler Wert in Singapurs Gesellschaft. Weder er, noch die Poeple's Action Party (PAP) oder die Gesellschaft, würden einen solchen Versuch tolerieren.“

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Familienkrach auf Facebook

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„Ich glaube, sie trauert noch“

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