Skurrile Suche
Lendenlahmer Stier soll Waldkuh bezirzen

Die Suche nach der ausgebüxten Kuh Yvonne wird immer skurriler. Jetzt soll ein ehemaliger Zuchtstier namens Ernst das entlaufene Tier retten. Doch seine Qualitäten sind umstritten, denn in Wahrheit ist Ernst kastriert.
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Ein Gnadenhof Gut Aiderbichl brachte den elfjährigen Galloway-Ochsen am Mittwoch auf eine Koppel im Landkreis Mühldorf am Inn. Nun hoffen die Helfer, dass er Yvonne anlockt.

Als unwiderstehlich wurde er angepriesen, der Prachtbulle Ernst. Nach dem Plan der Tierschützer wird er Yvonne bezirzen und so die Suche nach der seit mehr als zwei Monaten entlaufenen Problemkuh endlich beenden. Doch jetzt der Schock: Der Lockstier ist kastriert, verbreitete die „Augsburger Allgemeine“ am Mittwoch in einer Exklusivmeldung. Das Blatt wittert schon ein „falsches Spiel“, das da jetzt im Waldstück bei Mühldorf abläuft. Denn die Tierretter von Gut Aiderbichl setzten doch nach eigenen Worten ausdrücklich darauf, dass Yvonne ihren Trieben und Wünschen nach Nachwuchs folgen wird und zu Ernst auf die Weide kommt.

Britta Freitag vom Gut Aiderbichl beschwichtigt und verteidigt die Qualitäten von Ernst. „Das wirkt sich nicht auf den Effekt bei Yvonne aus, er hat nach wie vor die hormonelle Anziehungskraft“, sagte sie auf Anfrage. Die Tierschützer halten deshalb weiter an ihrer Strategie fest und setzen alle Hoffnungen in den elf Jahre alten Ochsen. Ernst hat am Mittwoch sein vorübergehendes Quartier im Wald bezogen. „Er hat sich auf ein Strohbett auf einer Koppel zurückgezogen und nimmt jetzt erste Gerüche wahr“, sagte der Einsatzleiter der Suchtruppe, Hans Wintersteller. „Wir werden alle menschlichen Spuren mit Stroh und
Ästen verwischen und uns auf die Beobachtungsposten zurückziehen.“ Tag und Nacht werde ein Zweierteam ab sofort das Waldgebiet weiter beobachten.

Außerdem versuchte Gut Aiderbichl sogar, über ein Medium mit der Kuh zu sprechen. Eine „Tierkommunikatorin“ habe angeblich Kontakt zu Yvonne aufgenommen. „Wir versuchen einfach alles“, sagte Gutsverwalter Hans Wintersteller. Weder Bauern noch Naturschützer wollten dazu offiziell einen Kommentar abgeben - niemand möchte namentlich im Zusammenhang mit der Aktion Yvonne genannt werden Wenn in der Nacht Ruhe einkehrt, könnte „die Kuh, die ein Reh sein will“ aus dem Unterholz kommen.

Die Helfer versuchen seit Tagen vergeblich, Yvonne mit ihrer Schwester Waltraud und Kälbchen Waldi aus dem Wald zu locken. Ochse Ernst, den nichts aus der Ruhe bringt, soll sie nun vor einem möglichen Abschuss retten. Denn wenn sie auf die Straße rennt und damit eine Gefahr für Autofahrer wird, müsste sie notfalls getötet werden. Die erhoffte Begegnung zwischen Ernst und Yvonne soll der Beginn einer längeren „Beziehung“ werden: Die Kuh soll nach dem Willen der Tierschützer auf einem Deggendorfer Gnadenhof ihr neues Zuhause finden - dort, wo auch Ernst bereits lebt.

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