Slowenien
Zockergeschäfte auf Kosten der Kirche

Die Limburger Protz-Residenz ist nicht der erste Fall von sehr lockerem Umgang mit Geld innerhalb der katholischen Kirche. Vor über zwei Jahren musste ein slowenischer Erzbischof wegen dubioser Finanzgeschäfte abdanken.
  • 1

DüsseldorfDer Vatikan muss sich nicht zum ersten mit einem Bischof beschäftigen, bei dem die Finanzen aus dem Ruder gelaufen sind. Den bislang gravierendsten Fall hatte es vor gut zwei Jahren im slowenischen Erzbistum Maribor gegeben, wo die wenig geschickten Finanzmanager der katholischen Kirche mit dubiosen Geldgeschäften fast eine Milliarde Euro verspielt hatten.

Die Erzdiözese in Maribor unweit der Grenze zu Österreich wollte das Geld der Kirche durch gewagte Finanz- und Anlagegeschäfte mehren. Doch leider kam die Finanzkrise dazwischen. Aus den erhofften Gewinnen wurden empfindliche Verluste, bis zu 800 Millionen Euro Miese könnten es geworden sein. Am finalen Minus wird noch heute gerechnet.

Das miserable Finanzgebaren der eigenen Kirchenleute hatte dann auch den Vatikan in Rom auf den Plan gerufen: Franc Kramberger, Erzbischof in Maribor, musste auf dem Höhepunkt der kirchlichen Finanzkrise vor zwei Jahren zurücktreten. „Aus Altersgründen“ habe der heute 76-jährige Kramberger auf sein Amt verzichtet, hieß es damals zur Gesichtswahrung des slowenischen Kirchenoberen. Obwohl in Maribor natürlich ein jeder ahnte, dass dieser Rücktritt nicht ganz freiwillig war.

Ein dreistelliger Millionenbetrag ist einfach so viel Geld, dass das in Rom niemanden mehr kaltlassen konnte. Zumal Maribor und auch Slowenien nicht gerade auf Reichtum gebettet sind. Das kleine Euro-Mitgliedsland steckt seit Jahren in der Krise. Die Bevölkerung muss schon länger mit einem scharfen Sparkurs zurechtkommen.

Es gibt auch eine allzu unerfreuliche Parallele zwischen dem Erzbistum Maribor und den großen slowenischen Banken: Auch die Kreditinstitute des kleinen Euro-Landes hat die Krise ziemlich kalt erwischt. Nur mit dem Unterschied, dass sie aus Rom nicht mit Unterstützung rechnen können. Allerdings hatten sich zuletzt die Hinweise verdichtet, dass die Regierung in der Hauptstadt Ljubljana wegen der maroden Banken des Landes jetzt doch einen Antrag auf Hilfen aus dem Euro-Rettungsschirm stellen könnte. Rom hätte dann den eigenen Kirchenleuten in Maribor geholfen, Brüssel den slowenischen Geldhäusern.



Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie

Kommentare zu " Slowenien: Zockergeschäfte auf Kosten der Kirche"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Heißt das nicht auch Kirchenfürsten?

    Und hat blaues Blut nicht die Verpflichtung, das Geld ihrer Untertanen zu verschwenden?

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%