Smart-Fahren kann aufregend sein
Smarte Fahrt im Takko-Land

Sie fanden ihn albern, nutzlos, und komplett unvernünftig. Und wollten ihn gar nicht mehr hergeben. Gerwin und Ralf Eck, Brüder und Chefs der Takko-Modemärkte, testeten für das Weekend Journal den Smart Roadster.

Die schmale Straße endet auf dem Bauernhof. „Ist wohl eine Sackgasse“, ahnt Gerwin Eck, greift ins Lenkrad und gibt Gas – schnell weg hier, bevor der Hofhund uns entdeckt. Schließlich haben wir kein Dach überm Kopf und säßen dem Vieh wahrscheinlich auf Gebisshöhe gegenüber. Doch der flinke Roadster gehorcht aufs Gas, dreht quer über die Einfahrt und schiebt ab, noch bevor es bellt. Glück gehabt. So aufregend kann Smart-Fahren sein. Gerwin und Ralf Eck, Chefs der 700 Filialen großen Discount-Modekette Takko, sind erstaunt – und am Ende begeistert.

Der schwarz lackierte Plastikzwerg, den die beiden Brüder eben noch für das Weekend Journal durchs Münsterland gejagt haben, hat ganze Arbeit geleistet: Nach zwei Stunden Kurvenkarussell umrunden Gerwin und Ralf den winzigen Roadster ein letztes Mal, blinzeln sich an wie zwei Schulkinder und nehmen Abschied. Staunend. Schwärmend. Süchtig. Dabei hatte der neueste Spaßwagen von Smart am Beginn seines großen Testtags einen schweren Stand. Zwar parkt bereits ein City-Coupé, der fast doppelt so hohe und einen Meter kürzere Bruder des Roadsters, auf dem Hof der Takko-Zentrale in Telgte. Doch über das mit rot-gelbem Markenlogo verzierte Werbe-Mobil haben die Chefs nicht viel Gutes zu berichten: „Ich bin einmal damit gefahren. Das muss nicht nochmal sein“, sagt Gerwin Eck, und man ahnt, wie der Motorradfan die Fahreigenschaften des Auto-Experiments beurteilt.

Skeptisch registrieren er und Bruder Ralf, dass im Roadster dasselbe Dreizylinder-Maschinchen steckt. Mit einem feinen Unterschied: einem Turbolader, mit dem die Ingenieure 82 PS aus dem wasserflaschengroßen Hubraum des Roadsters kitzelten. Doch was soll die Faktenhuberei? Ein Roadster will erfahren werden. Zuerst ist aber Auspacken angesagt: Die Stoffpersenning rollt auf Knopfdruck nach hinten und gibt den Blick ins Innere frei: ein hübsches Schauspiel, das dank zweier Dachholme über den Türen als Führungsschiene auch bei Vollgas funktioniert. Ist stabiles Cabrio-Wetter, gehören die Seitenteile abmontiert und werden im kleinen Kofferraum unter der Fronthaube verstaut. Ein wenig Basteltalent und Ausprobieren gehören dazu, dann finden sie in der vorgeformten Plastikhalterung den richtigen Platz. Ralf Eck schmunzelt: „Lustig gemacht.“

Jetzt wollen sie fahren, und der Ältere fängt an. Der 41-jährige Gerwin lässt sich schwungvoll in die Sitzschale fallen. 19 Zentimeter überm Asphalt kommt der 1,92 Meter lange Kerl zum Liegen, die Knie so gerade eben unterm Lenkrad verstaut, und wenn Gerwin Eck sich streckt, lugt der Kopf über die Frontscheibe: „Ich fühl mich schon ein bisschen rausgewachsen“, ruft er Bruder Ralf noch zu, dann geht’s los: Mit erstaunlich erwachsenem Brummen meldet sich der Heckmotor, der Spaßmacher rollt an.

Die erste Gerade gilt dem Gas-Test. Durchtreten und abwarten, was kommt. Doch statt mächtig anzuziehen, quittiert das sequenzielle Automatikgetriebe solch einfallslose Spielchen nur mit einem merklichen Nicken. Als wolle er seinen Fahrer zu mehr Fahrgefühl erziehen, arbeitet sich der Smart Roadster mit jedem Gangwechsel in rund elf Sekunden auf Tempo 100 hoch. Dabei stottert er mehr, als flüssig zu beschleunigen. „Hoppla“, sagt Eck, beendet das Schnellfahrprogramm und schaltet fortan lieber selbst. Zwei Schaltpaddel am Lenkrad laden dazu ebenso ein wie die Erfahrung, dass ein rechtzeitig gelupfter Gasfuß nach etwas Übung für nahezu flüssige Gangwechsel sorgt.

„Wenn man es raushat, hängt er richtig gut am Gas“, freut sich der Testpilot. „Und drehfreudig ist das Kerlchen. Das ist eine wahre Freude.“ Von Kurve zu Kurve wird Gerwin Eck mutiger – smarter, möchte man sagen. Die Feldwege des Münsterlandes verwandeln sich im Roadster in einen automobilen Vergnügungspark: Mit röhrendem Motor im Rücken und Gokart-Lenker in der Hand lässt sich der Mini-Flitzer fast ungebremst durchs Gelände steuern. Und das ohne allzu harte Schläge: Dass der Roadster trotz komfortabler Federung unerschütterlich am Boden zu kleben scheint, verdankt er seiner Gewichtsverteilung: Der Schwerpunkt liegt extrem tief, nahezu auf Sitzhöhe, und weit hinten. Ein Aufschaukeln ist so schlicht nicht möglich. „Man sitzt richtig bequem“, findet Gerwin Eck.

Das will jetzt auch Bruder Ralf erleben, widerwillig windet sich Gerwin aus dem Flachmann. „Bisschen viel Plastik hier unten“, urteilt Ralf. Die Playmobil-Optik der Mittelkonsole mit ihren runden Instrumenten und die hervorlugenden Lüftungskugeln der Klimaanlage wurden aus dem City Coupé übernommen – und machen auch im Roadster keinen stabilen Eindruck. Genauso wenig wie die Armlehne, die auf den Bremshebel montiert wurde und schon beim ersten Ellbogen-Kontakt knirscht. Auch Ralf überlässt das Schalten lieber seinem Fingerspitzengefühl als der Stotter-Automatik. „Mit den Lenkrad-Wippen macht er das sehr gut“, lobt er – und hält inne: War das da ein quietschender Reifen? Ein zwitschernder Vogel? Nächster Schaltversuch – eindeutig: Im Roadster piept’s.

Zur Auflösung lohnt ein Blick auf die linke der beiden aufgesteckten Extra-Uhren in der Mitte des Cockpits. Neben der Kühlwassertemperatur haben die Erbauer eine Anzeige für den Ladedruck des Turbos angebracht. Immer wenn der Wagen zwitschert, fällt die Nadel: Das Abblasventil lässt hörbar Luft ab. Vollkommen nutzlos ist diese Anzeige und damit eine ideale Metapher für das ganze Gefährt: Es macht überhaupt keinen Sinn, den Smart Roadster zu fahren – aber einfach Laune. Bei jedem Gastritt schlägt die Nadel aus: ein Spaß-o-Meter für Fahrvergnügte.

Unnötig zu erwähnen, dass der Smart Roadster ein für den Alltag vollkommen untaugliches Auto ist. Zwei Fahrer, eine Kiste Bier und zwei Jacken passen rein – dann ist Schluss. Stauraum im Cockpit? Gibt’s nicht. Die Klappe für das Handschuhfach entpuppt sich als Attrappe, hinter die gerade ein Portemonnaie passt. Fünf CDs finden in der Mittelkonsole passende Plastikschublädchen. Bereits das Bordhandbuch, zu dick für die Fächer in der Türverkleidung, ist mit Klettband an der Teppichverkleidung hinter dem Beifahrersitz fixiert.

So ein Auto haben sie noch nie gefahren, bestätigen sich die Brüder am Ende der Spritztour gegenseitig. Das ist durchaus so schwärmerisch gemeint, wie es sich anhört. Am Ende schleichen die Takko-Chefs dann nochmal um die Hülle herum: Die weit ausgestellten Radkästen, die nur scheinbaren Lüftungsschlitze für die Hinterräder, das breite Grinse-Gesicht, der hübsch verschraubte Tankdeckel, die viel zu breiten Reifen . . . „Je länger ich ihn anschaue“, sagt Gerwin Eck zum Abschied, „desto schöner wird er.“

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