„So viel Aufregung habe ich hier noch nie erlebt“
Bomben-Expolsion schockt Barbing

In der idyllischen Wohnsiedlung im oberpfälzischen Barbing hätte der Freitag ein beschaulicher und ruhiger Sommertag sein können. Doch dann wurde dort ein Mann getötet.

HB BARBING. Der 12. August wird den Menschen dort wohl noch lange in Erinnerung bleiben. Die Ruhe in der Siedlung wurde von vier heftigen Bombendetonationen erschüttert. Bei einem fehlgeschlagenen Attentat auf einen 66-Jährigen hatte sich ein Münchner mit einer Rohrbombe selbst in die Luft gesprengt.

Die für den Münchner verhängnisvolle Explosion war um zwei Uhr morgens. Im Laufe des Tages ließen dann drei weitere Detonationen die verängstigten Barbinger erneut zusammenzucken. Die Experten des Bayerischen Landeskriminalamtes (LKA) hatten drei weitere Sprengsätze gefunden und mit Hilfe eines Roboters kontrolliert explodieren lassen.

„Mir ist ein Teil der zweiten Bombe aufs Hausdach gefallen“, erzählt Hubert Seidl. Der 47-Jährige wohnt nur wenige hundert Meter vom Tatort entfernt und musste am Vormittag schließlich sein Reihenhaus verlassen. „So etwas hat es bei uns noch nicht gegeben, normalerweise ist bei uns alles ruhig und es gibt keinen Streit“, sagt der Barbinger, der seit 21 Jahren in der Siedlung wohnt. Er sei in der Nacht von der ersten Bombe geweckt worden und gemeinsam mit seiner Frau im Jogginganzug auf die Straße gelaufen: „Wir dachten zuerst an eine Gasexplosion.“

Tatsächlich war es die Rohrbombe, die in der Dunkelheit zwischen zwei Autos detonierte. Dieser und drei weitere Sprengsätze sollten nach Polizeiangaben einen 66 Jahre alten Deutschen türkischer Herkunft treffen, der dort seit einiger Zeit allein in einem Haus wohnte. Mit dem Motorrad war der 67-Jährige Münchner in der Nacht zum Freitag nach Barbing gefahren. Bei einem Sportplatz stellte er das Zweirad ab und schleppte sein hochexplosives Gepäck 500 Meter weit zum Haus seines Opfers. Bei der Terrasse befestigte er direkt am Haus drei Sprengsätze. Anschließend wollte er offenbar auch am Auto des 66-Jährigen eine Bombe anbringen und sprengte sich dabei selbst in die Luft.

In der Siedlung bestimmen seitdem rot-weiße Absperrbänder und die Einsatzkräfte von LKA, Polizei und Feuerwehr das Bild. Das Wohngebiet wurde weiträumig abgesperrt und die Häuser evakuiert. Mehrere hundert Menschen mussten in Sicherheit gebracht werden. Viele fahren zu Freunden oder Verwandten, andere lassen sich von Seelsorgern betreuen. „Wenn man aus dem Wohnzimmerfenster schaut und es knallt, dann ist man einfach geschockt“, sagt Rainer Fleischmann, Leiter der Notfallseelsorge.

Hubert Seidl steht gemeinsam mit zahlreichen anderen Nachbarn auf der Straße und wird von Familie Jogsch mit Essen und Getränken versorgt. „Ich bin nervös, man weiß ja nicht, was noch kommt“, sagt Therese Jogsch. Die 56-Jährige wohnt seit 37 Jahren in Barbing und kann nicht fassen, was passiert ist: „So viel Aufregung habe ich hier noch nie erlebt.“

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