Sommer fordert mehr als 10 000 Tote
Armengräber für Frankreichs unbekannte Hitzeopfer

Angesichts von mehr als 10 000 Todesopfern der Hitzewelle dieses Sommers in Frankreich sehen sich die Behörden gezwungen, hunderte von Toten, deren Angehörige sich bislang nicht gemeldet haben, zunächst in so genannten Armengräbern beizusetzen. Damit soll der Druck auf die völlig überforderten Bestattungsunternehmen gemildert werden.

Reuters PARIS. Nach inoffiziellen Schätzungen der Stadtverwaltung von Paris befinden sich Medienangaben zufolge in Leichenhallen der französischen Hauptstadt, in Kühllastwagen und einer Kühlhalle des Lebensmittelgroßhändlers Rungis 200 bis 300 Tote, deren Angehörige sich bisher nicht gemeldet haben.

Die Behörden haben deshalb am Wochenende eine Initiative angekündigt, die Familien über das Schicksal ihrer Angaben zu informieren. Sie versicherten zugleich, dass die Toten nicht anonym in Massengräbern bestattet würden. Es würden alle Toten, nach denen sich innerhalb von zehn Tagen niemand erkundigt habe, zunächst in Armengräbern beigesetzt, sagte der Pariser Polizeichef Jean-Paul Proust. „Die Toten werden nicht in einem Massengrab beigesetzt“, sagte Proust und dementierte damit anders lautende Medienberichte.

Erst am Donnerstag dieser Woche hatte die französische Regierung ihre Schätzung über die Zahl der Hitzeopfer deutlich nach oben revidiert. Der Staatssekretär für Senioren im Sozialministerium, Hubert Falco, teilte mit, die Regierung habe ihre Schätzung über die Zahl der Todesopfer infolge der Hitzewelle auf 10.400 von zuvor 3000 erhöht. Der mehrwöchigen Hitze mit Temperaturen von mehr als 40 Grad Celsius waren vor allem ältere Menschen durch Dehydrierung zum Opfer gefallen.

Etwa die Hälfte starb in unterbesetzten Altersheimen und Krankenhäusern, wo sie Hilfe suchten. In der Folge war das französische Gesundheitssystem, das weltweit als eines der besten erachtet wird in die Kritik geraten. Präsident Jacques Chirac räumte Fehler ein und sicherte zu alles zu tun, um Unzulänglichkeiten auszuräumen.

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