Sommer- und Winterzeit
Ewige Frage: Wie stellen wir Sonntag die Uhr?

Die Sommerzeit kommt. Am Sonntag werden zum 30. Mal die Uhren um eine Stunde vorgestellt. Oder zurück? Auch Jahrzehnte nach Einführung der Zeitumstellung ist bei Umfragen ein knappes Drittel der Deutschen unsicher, wie sie denn nun die Uhr stellen sollen. Ihnen sei geraten, über eine Eselsbrücke in die neue Zeit zu reiten.

dpa HAMBURG. Alle wollen zur Wärme, also wird die Zeit "in Richtung Sommer" umgestellt: im Frühling eine Stunde vor, im Herbst eine Stunde zurück. Am Sonntag springt genau um 01.59.59 Uhr Mitteleuropäischer Zeit (MEZ) die Zeit eine Stunde auf 03.00.00 Uhr Mitteleuropäischer Sommerzeit (Mesz). Das Signal dafür sendet die von der Physikalisch Bundesanstalt-Technischen in Braunschweig programmierte Atomuhr über den Sender Mainflingen bei Frankfurt.

Die Historie der Zeitumstellung ist eine Geschichte des - versuchten - Energiesparens. Als Urvater der Sommerzeit gilt Benjamin Franklin (1 706-1 790). Der amerikanische Politiker und Erfinder kritisierte 1 784 in einer Denkschrift über "die Kosten des Lichts" den hohen Verbrauch an Kerzen und forderte eine Zeitumstellung zur besseren Ausnutzung der natürlichen Helligkeit. Es sollten mehr als 100 Jahre vergehen, bis erste Staaten im Sommer an der Uhr drehten.

In Deutschland war es 1916 soweit. Energie für Strom war während des Ersten Weltkrieges knapp, und das Kaiserreich wollte durch längeres Tageslicht die Arbeitskraft der Beschäftigten in der Rüstungsindustrie besser ausnutzen. Ähnliche Gründe dürfte es gehabt haben, als im Zweiten Weltkrieg die Berliner Machthaber 1940 die Sommerzeit erneut einführten. Sie galt dann bis 1949. Im Notjahr 1947 gab es sogar eine Hochsommerzeit, und die Uhren wurden für Mai und Juni eine weitere Stunde vorgestellt.

Erst von 1980 an mussten die Deutschen im Frühjahr wieder eine Stunde früher aufstehen. Andere Länder waren der Zeit voraus, als damals die Bundesrepublik - zeitgleich mit der DDR - unter dem Eindruck der Ölkrise von 1973 die Sommerzeit einführte. Energiesparen war das Hauptmotiv für das 1978 beschlossene Zeitgesetz "für eine bessere Ausnutzung der Tageshelligkeit". Experten hatten errechnet, dass damit der Stromverbrauch um etwa 0,15 Prozent zurückgeht.

Aber: Nach Erkenntnissen des Bundesumweltamtes brennen zwar während der Sommerzeit abends weniger Glühbirnen, dafür wird morgens mehr geheizt. Wer früher aufsteht, dreht auch eher am Thermostat - besonders im oft noch kühlen Monat April. Insgesamt steige der Energieverbrauch dadurch sogar an. Auch nutzen mehr Menschen die Helligkeit am Abend zu Ausflügen mit dem Auto. Ergebnis: höherer Benzinverbrauch statt Einsparung von knappem Öl.

So alt wie die Sommerzeit ist der Widerspruch gegen die "gestohlene Stunde". Man hofft auf eine "Momo", die wie im Buch von Michael Ende (1929-1 995) den grauen Zeit-Dieben das Handwerk legen soll. Müde Menschen klagen über eine Art "Mini-Jetlag" mit schlechtem Schlaf, Konzentrationsproblemen oder Schwankungen der Herzfrequenz. Weil die innere Uhr den Körper noch nicht komplett geweckt hat, soll es sogar mehr Autounfälle geben. Die anfangs laute Kritik aus der Landwirtschaft ist inzwischen leise geworden. Zwar müssen Melker früher aufstehen als sonst, aber der befürchtete Rückgang bei der Milchproduktion blieb aus. Die Bauern geben den Kühen für die Zeitumstellung im Euter einfach ein paar Tage Zeit.

Inzwischen gilt in weltweit mehr als 60 Ländern eine Sommerzeit. Seit 1996 stellen alle EU-Mitgliedsstaaten die Uhren zum gleichen Zeitpunkt am letzten Sonntag im März eine Stunde vor und am letzten Oktober-Sonntag wieder zurück. Noch im Jahr 2007 forderten "Dr. Guido Westerwelle und Fraktion" im Deutschen Bundestag "Bürokratie abbauen - Zeitumstellung abschaffen und Sommerzeit permanent einführen". Der FDP-Antrag fand keine Mehrheit, und die Uhren werden weiterhin vor- und zurückgestellt: in diesem Jahr, im nächsten und so weiter.

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