Souvenir-Abzocke in Rom
Die Stunde der Wucherer

Der Ansturm der Pilger im Vatikan hat die Preise für Souvenirs, Lebensmittel und Wasser in die Höhe schnellen lassen. Fliegende Händler verhökern ihre Ware für das Vielfache des Einkaufspreises. Um ihnen das Geschäft zu verleiden, setzt die italienische Polizei auf Taschenkontrollen.

HB VATIKAN-STADT. Die elegante Dame kramt in den Rosenkränzen. Sie sei aus Mexiko, sagt Nelly, und mit drei Freundinnen eigens für die Beisetzung des Papstes angereist. Auf jeden Fall wolle sie von dieser Pilgerfahrt ein Souvenir mitnehmen, ein paar Postkarten und einen Rosenkranz mit dem Bild von Johannes Paul II.

Im engen Shop auf der Piazza Risorgimento únweit des Petersplatzes herrscht buntes Treiben. Die Leute sprechen Spanisch, Italienisch, Polnisch, Deutsch. "Unsere Geschäfte haben sich mehr als verdoppelt", freut sich Ladenbesitzer Emiliano, während er neue Bildchen und Kalender mit dem Antlitz des Pontifex aus dem Lager holt. Neben Papst-Tellern, Papst-Medaillons, Papst-Kerzen, Papst-Adressbüchlein mit Kugelschreiber und Papst-Münzen haben auch Mini-Holographien Hochkonjunktur: Je nachdem wie man das plastifizierte Bildchen hält, erscheinen wahlweise Johannes Paul II. oder Jesus.

"Postkarten nur 2,50 Euro"

"Am besten verkaufen sich die Postkarten vom alten, leidenden Papst, die Bilder aus den frühen Jahren sind weniger gefragt“, erzählt Emiliano. Viele erkundigten sich bereits nach Postkarten vom Leichnam des Pontifex: "Aber die gibt es ja noch nicht." Auf der anderen Straßenseite drängen sich Pilger um einen Ständer mit Papst-Bildern. Im Schaufenster steht in großen Lettern: "Postkarten nur 2,50 Euro". Bis vor einer Woche kosteten sie noch 80 Cent.

Schon seit Tagen beklagen Verbraucherschützer, dass rund um den Vatikan seit der Nachricht vom Tod des Heiligen Vaters Wucherpreise verlangt werden. Nicht nur die Hotels schraubten spontan die Zimmerpreise hoch, auch Imbissbuden und Zeitungsstände haben kräftig draufgeschlagen. Wer etwa eine Ausgabe der offiziellen Vatikanzeitung "L'Osservatore Romano" erstehen will, die normalerweise 90 Cent kostet, muss manchem Verkäufer am Petersplatz fünf Euro hinblättern.

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