Soziales Netzwerk YouNow
Berlin fürchtet sexuelle Belästigung im Netz

Immer mehr Jugendliche filmen sich in privaten Räumen. Allein über die Streaming-Plattform YouNow schickten sie im Januar 16 Millionen Minifilme. Nun warnen Jugendschützer und Medienexperten vor Missbrauch.
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Düsseldorf„Bumsen“, „Doppel nervig“ und „Die ist dumm“ – ein Auszug aus den Kommentaren eines willkürlich gewählten YouNow-Streams. Darunter stehen die Bemerkungen „Noch ganz schön jung“, „Wie alt seid ihr?“ und  „Ihr dürft erst ab 13 YouNow haben“.

Ein kurzer Einblick genügt, um Potenzial und Probleme, die sich gerade um das Internetportal YouNow spinnen, zu begreifen. Frei nach dem Motto „Express Yourself“ (zu deutsch: „äußere dich“) kann jeder auf der Internetplattform YouNow einen Livestream, also einen Minifilm, aus seinem Leben in die Welt schicken. Wenn man so will, ist es wie die Videoplattform Youtube – nur in Echtzeit.

Vor allem bei Kindern und Jugendlichen kommt das Angebot gut an, bei Jugendschützern, dem Familienministerium oder Social-Media-Experten hingegen gar nicht. Weil die Nutzer der Internetplattform meist eindeutig zu identifizieren seien, erleichtere das Internetangebot „Mobbing durch Gleichaltrige und sexuelle Belästigungen durch Erwachsene“, sagte ein Sprecher des Familienministeriums. Sogar erfolgreiche Videoproduzenten auf Youtube wie Florian Mundt („LeFloid“) warnten vor den Risiken unbedachter Livestreamings für die Privatsphäre: „Seid nicht dumm auf YouNow!

Fast ein Drittel aller Abrufe der Webseite stammen aus Deutschland. Mehr kommen nur aus den USA, wo die Seite 2011 gegründet wurde. Die Streaming-Plattform hat es hierzulande zwar erst auf Rang 811 der beliebtesten Internetpräsenzen geschafft. Doch allein im Januar sind dem „Stern“ zufolge 16 Millionen Streams aus Deutschland auf der Seite geschaltet worden.

YouNow erfüllt vor allem das Bedürfnis nach Selbstdarstellung. Wer alles oder auch nichts zu sagen hat, kann sich schnell registrieren und dann sein Leben zur Schau stellen. Zusehen kann im Grunde jeder. Eine Anmeldung ist dafür nicht erforderlich. So schalten tausende Schaulustige ein, sei es aus Neugier oder Langeweile.

„Die Grenze vom sozialen Voyeurismus hin zum sexuellen Voyeurismus ist auf Plattformen wie YouNow fließend“, sagt Hendrik Unger, Social Media Experte der Kölner Agentur netspirits, die sich auf Online Marketing spezialisiert hat. „Kritisch ist vor allem, dass die Seite nicht genug sortiert.“

Dabei ist es heute schon möglich, Nutzer zu melden, die dann wiederum von den Betreibern der Seite gesperrt werden. Nicht genug, findet Unger. „Man könnte zum Beispiel Raster über die Seite legen, die Schlüsselbegriffe wie Sex herausfiltern und daraufhin die Nutzer überprüfen. Denkbar wäre auch, die Streams mit leichter Verzögerung zur besseren Kontrolle auszustrahlen“, sagt der Social-Media-Experte.

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Seite 2:

„Ob ein Nutzer 13 Jahre ist, lässt sich nicht prüfen.“

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