Soziobiologie
Es lebe der Hasenfuß!

„Dem Mutigen gehört die Welt.“ Das sagt jedenfalls der Volksmund. Doch selbst gefährliche Raubtiere wie Haie und Wölfe gehen bei ihren Beutezügen stets äußerst vorsichtig vor. Auch uns Menschen tut eine gewisse Portion Feigheit ganz gut. Der Wiener Evolutionstheoretiker Franz M. Wuketits erklärt, warum das so ist.

DÜSSELDORF. „Sei tapfer!“ „Trau dich doch!“ – kaum jemand bleibt von solchen Aufforderungen verschont. Mancher muss sich zugleich sogar als Feigling beschimpfen lassen. Risikobereitschaft ist gefragt, vor allem in der Wirtschaft. Dem Duckmäuser wird kein Erfolg versprochen. Wer nicht wagt, gewinnt nicht, sagt der Volksmund, dem Mutigen gehört die Welt. Schließlich zählt Mut oder Tapferkeit (neben Klugheit, Besonnenheit und Gerechtigkeit) seit der Antike zu den vier Kardinaltugenden. Feigheit hingegen gilt als Untugend. Verehrt werden Helden, nicht Feiglinge.

Aber es ist höchste Zeit, die schiefe Optik, in der uns Feigheit erscheint, geradezurücken. Wir haben nämlich zu viele tote Helden und zu wenige lebende Feiglinge!

Zwar hat uns die Evolution mit einer gewissen Neigung zum Risiko ausgestattet, und wer nicht ab und an etwas wagt, führt ein ärmliches Leben. Allerdings gehört eine Neigung zur Vorsicht ebenfalls zu unserer evolutionären Grundausstattung. Mag sein, dass ausgesprochene Angsthasen manche Chance verpassen, aber Menschen, denen Angst grundsätzlich fremd ist, haben keine hohe Lebenserwartung. Wie so oft, ist auch in diesem Fall die Natur klüger als menschliche Wunschvorstellungen.

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